Vor Wochen schrieb ich an dieser Stelle: „Begleitet von gegenseitigen Angriffen, gehen die Verhandlungen USA-Iran irgendwie immer weiter. Voran kommen allein die Zahlen unschuldiger Opfer.“ Am 18. August korrigiert mich der Fortgang der Ereignisse und ich aktualisiere: Nachdem Trump zum gefühlt dreißigsten Mal die Straße von Hormuz für wieder komplett frei erklärt hatte, reagierte die iranische Führung. Sie stellte jede Art von Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten ein und geht zu einer “vollständig offensiven“ Strategie über: Sie antwortet nicht mehr, wie bisher, direkt auf jeden der US-Luftschläge, die sich – die unterirdischen Raketenstädte des Iran sind für US-Waffen unerreichbar – jeweils gegen lebenswichtige Infrastruktur, und gegen Kinder, Frauen und alte Menschen richten. Iranische Raketen vernichten stattdessen, eine nach der anderen, die US-Militärbasen in der Golfregion.
Die Iraner haben inzwischen begriffen, so berichtet Alastair Crooke auf Conflicts Forum, dass Trumps Verkündigungen einer freien Durchfahrt durch die Straße von Hormuz allein den von ihm auf diese Weise versorgten Insidern an der Börse gelten (bei 4’58). Iranische Raketen demolieren seitdem jeweils eine halbe Stunde vor Marktöffnung einen die Durchfahrt ansteuernden Tanker.
Und Mitte August erreichten uns seltsame Nachrichten vom Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“, der den vom Iran außer Gefecht gesetzten Träger „USS Gerald Ford“ ersetzen sollte. Matrosen seien in suizidaler Absicht von Bord gesprungen, Wasservorräte knapp, verschimmelte Toiletten etc.
Der Träger, so stellt sich nach der üblichen Besinnungsfrist heraus, war, obwohl die Amerikaner ihre Schiffe weit außerhalb der Reichweite iranischer Raketen von der arabischen Küste entfernt positionieren, von iranischen Anti-Schiffsraketen getroffen worden. Die „USS Abraham Lincoln“ wird nun von der aus dem südchinesischen Meer herbeieilenden „USS George Washington“ ersetzt (die USA springen von Pivot zu Pivot).
Ich fahre in meinem Überblick von Anfang Juli 2026 fort: Auf der verzweifelten Suche nach einem gesichtswahrenden Ausweg versucht Trump, den Eindruck aufrechtzuerhalten, er sei noch Herr der Lage. Den Krieg hat er verloren, seine Kriegsziele – ein Regimewechsel im Iran, die Zerstörung der iranischen Fähigkeit, zurückzuschlagen – hat er definitiv verfehlt. Der angeschlagene US-Hegemon hat nicht nur, wie in Vietnam, in Irak, in Afghanisten, den Krieg verloren, er hat diesmal auch keine Chance, irgendwann alles, was danach kommt, zu gewinnen. Denn die Straße von Hormuz bleibt unter iranischer Kontrolle, der Iran ist mit den (nicht mehr in Dollar, sondern in Yuan zu bezahlenden) Durchfahrtsgebühren in der Lage, auch einen längeren Krieg zu finanzieren. Westasien (Ex-Nahost) wird Stück für Stück vom US-Einfluss gesäubert. Wird dann die Region nicht mehr mit US-Waffen geflutet und ist der Einfluss transatlantischer Geheimdienste gebrochen, wird bald auch Schluss sein mit Bürgerkriegen und Regimewechseln. Es wird in Nahost mit den Jahren eine regionale Sicherheitsarchitektur entstehen. Dem zionistischen Israel wird es nicht mehr möglich sein, die Region zu erpressen und das palästinensische Volk auszurotten. Sind das die Tagträume eines gutinformierten Optimisten? Vielleicht. Einstweilen scheint alles beim Alten. Raketen und Drohnen fliegen in beiden Richtungen. Trump droht, Iran schlägt zurück (nichts von den iranischen Schlägen darf im im Westen gezeigt werden). Nur eines ist sicher – so wie es war, wird es nie wieder sein. Das Problem, so lässt sich am nunmehr 18. Juli 2026 sagen, besteht in der politisch-moralischen Haltlosigkeit der im Abstieg befindlichen Weltmacht und ihren scheint’s unerschöpflichen Reserven an Fähigkeiten, die Menschheit irgendwie doch noch mit ins Verderben zu reißen.


