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Im vergangenen Monat kündigte der Palästinensische Fußballverband (PFA) die Rückkehr des Fußballs in die Vereine in ganz Palästina und im Libanon an – nach einer dreijährigen Unterbrechung, die von Israels Völkermord im Gazastreifen, Terror im besetzten Westjordanland und einem brutalen Krieg gegen den Libanon geprägt war. Die Wiederaufnahme des Ligabetriebs in Gaza, im Westjordanland, in Jerusalem und in den palästinensischen Flüchtlingslagern im Libanon beginnt am 4. September mit dem „Cup der tausend Märtyrer“ (Thousand Martyrs Cup). Dieses zweimonatige Turnier ist nach den mehr als 1.000 palästinensischen Sportlern benannt, die seit dem 7. Oktober 2023 von Israel getötet wurden.
Mehr als 240 Vereine nehmen an dem Turnier teil: 50 Vereine aus Gaza, 165 aus dem Westjordanland und Jerusalem sowie 28 Vereine aus dem Libanon. Die Eröffnungsspiele werden am Freitag zeitgleich um 18 Uhr (Jerusalemer Zeit) angepfiffen. Im Gazastreifen finden die Spiele auf vier stark abgenutzten Kleinfeldplätzen (für Fünfer-Teams) mit Kunstrasen statt, darunter der Platz des Vereins Ittihad Deir al-Balah. Im Westjordanland, in Jerusalem und im Libanon werden die Partien auf regulären Großfeldern (für Elf-gegen-Elf-Spiele) ausgetragen.
Spieler und Trainer äußerten gegenüber *Drop Site News* gemischte Gefühle angesichts der Wiederaufnahme des palästinensischen Fußballs: Einerseits macht die Gewalt Israels das Leben nahezu unmöglich, andererseits wollen sie den Märtyrern die Ehre erweisen und Widerstandskraft zeigen.
Dennoch ist unklar, ob die Spieler aus Gaza überhaupt zum Turnier erscheinen können, wie Motaz Rabia, der Co-Trainer von Ittihad Deir al-Balah, gegenüber *Drop Site News* erklärte. Er berichtete, dass die anhaltenden täglichen Luftangriffe und unaufhörlichen Attacken Israels zur Absage des Mannschaftstrainings gezwungen und die Bewegungsfreiheit der Spieler eingeschränkt hätten.
Erst vergangene Woche bombardierten israelische Kampfflugzeuge das Viertel direkt neben dem Vereinsgebäude in Deir al-Balah sowie die Abu-Salim-Moschee im Stadtzentrum. Am Samstag – weniger als eine Woche vor Turnierbeginn – wurde Abdel-Fattah Abu-Aish, ein Star des Vereins Khadamat Jabaliya, bei einem israelischen Luftangriff auf ein Motorrad im Flüchtlingslager Dschabaliya im Norden des Gazastreifens getötet.
Jeder Verein im Gazastreifen hat enorme Verluste erlitten. Allein der Klub Ittihad Deir al-Balah verlor bei israelischen Angriffen mindestens zehn Spieler, Betreuer und Trainer, darunter den von der Asiatischen Fußballkonföderation (AFC) anerkannten Trainer Hani Al-Mosadar und den Star-Mittelfeldspieler Nasrallah Al-Mqataa. Andere Spieler sahen sich gezwungen, den Fußball aufzugeben, um das Nötigste für das Überleben ihrer Familien zu sichern.
Nach Angaben des palästinensischen Fußballverbands (PFA) wurden seit Oktober 2023 mindestens 1.013 Sportler durch israelische Einwirkungen im Gazastreifen und im Westjordanland getötet, darunter fast 570 Fußballer – mehr als 100 von ihnen Kinder. Zudem hat das israelische Militär im Gazastreifen fast 270 Sportanlagen zerstört oder beschädigt, darunter neun von zehn Stadien und 51 von 54 Vereinsanlagen.
Mustafa Siyam, der PFA-Sprecher im Gazastreifen, erklärte gegenüber *Drop Site*, er hoffe, dass das Turnier den Fußballern in Gaza „ein gewisses Maß an Normalität“ zurückbringe und den „Beginn eines neuen Kapitels“ für den Fußball in der zerstörten Enklave markiere.
Im Gazastreifen wird das historisch brisante Derby zwischen Khadamat Rafah und Shabab Rafah den Auftakt zum „Turnier der tausend Märtyrer“ bilden: ein Duell zweier Rivalen aus einer einst lebendigen Stadt, die inzwischen dem Erdboden gleichgemacht und von israelischen Streitkräften besetzt wurde. Im Westjordanland bestreiten unterdessen Jabal Al-Mokaber und Shabab Al-Khalil das Eröffnungsspiel, während im Libanon Al-Ansar auf Al-Nahda trifft.
„Trotz der gezielten Angriffe Israels auf Sportler und des Verbots der Einfuhr von Fußballausrüstung sind wir sehr bestrebt, den Fußballbetrieb für unsere Spieler wieder aufzunehmen“, sagte Siyam. „Dieses Turnier vermittelt viele Botschaften, insbesondere da es die Namen unserer geschätzten Spieler trägt, die während des Völkermords ums Leben kamen. Es weckt zudem Hoffnung auf eine bessere Zukunft für den Fußball im Gazastreifen.“
„Israel blockiert die Einfuhr von Fußbällen“
Laut Rabia konnte der Fußballverein Ittihad Deir al-Balah im Vorfeld des Turniers kaum mehr als ein- oder zweimal pro Woche trainieren; zudem mangelt es angesichts der täglichen israelischen Luftangriffe und der anhaltenden, lähmenden Belagerung an jeglicher Ausrüstung für den Spielbetrieb.
„Wir können uns keinen Trainingsball leisten. Israel blockiert die Einfuhr von Fußbällen. Ein einziger Ball kostet mittlerweile rund 400 Dollar. Unsere Spieler können sich nicht einmal die Nahrungsmittel leisten, die sie bräuchten, um ihre Fitness und körperliche Verfassung wieder aufzubauen. Wir nehmen nur sehr ungern teil, spielen aber, um unsere als Märtyrer gefallenen Spieler und Betreuer zu ehren“, erklärte Rabia gegenüber *Drop Site*. „Einige unserer Spieler sind inzwischen in den äußersten Süden des Gazastreifens vertrieben worden. Wir können nicht einmal die Fahrtkosten übernehmen, um sie zu den Spielen zu holen. Deshalb haben wir Spieler aus der Jugendmannschaft in den Kader berufen.“
„Vielleicht werde ich in den nächsten 15 Minuten getötet“
Mohammed Al-Taramasi (26), Rechtsverteidiger beim Verein Shabab Jabaliya und in der palästinensischen Olympia-Mannschaft, lebt in einem baufälligen Zelt im Flüchtlingslager Dschabaliya nahe der „gelben Linie“. Dort ist er gezwungen, täglich Artilleriebeschuss, Schüssen sowie Angriffen durch Panzer und Quadrocopter der nahegelegenen israelischen Truppen zu trotzen. Al-Taramasi wurde vor fast drei Jahren aus seinem Zuhause vertrieben, als israelische Kampfflugzeuge am 28. Oktober 2023 sein Wohnviertel im Lager flächendeckend bombardierten und dabei seinen Vater sowie Dutzende weitere Familienangehörige töteten. Er überlebte den Angriff wie durch ein Wunder und beerdigte seinen Vater, den er als „seinen Rückhalt“ bezeichnete.
„Früher bin ich aufgewacht, um zu trainieren. Heute versetzen uns am Morgen Schüsse in Angst und Schrecken“, sagte Al-Taramasi gegenüber Drop Site. „Ich spreche gerade mit Ihnen am Telefon, und womöglich werde ich in den nächsten 15 Minuten getötet. Mein Vater wurde getötet. Ich bin auf der Flucht. Im Jahr 2024 sind mir Angebote aus Ägypten und Libyen entgangen, weil ich Gaza nicht verlassen konnte. Mein Leben gleicht der Hölle auf Erden“, sagte er, während ihm vor Schmerz und Kummer die Stimme versagte.
„Das Turnier hat zwei Seiten: eine positive und eine negative“, fuhr er fort. „Positiv, weil es eine Würdigung unserer Kollegen aus der Fußballwelt ist. Negativ, weil wir nicht ausreichend bezahlt werden und das Turnier womöglich abgesagt werden muss. Es ist eine nervenaufreibende Situation für uns alle. Doch ich möchte den Pokal in die Höhe stemmen – für die getöteten Fußballer sowie für meine Teamkollegen und Nachbarn.“
Al-Taramasi äußerte die Hoffnung, dass internationale Fußballverbände und Medien ihr Augenmerk stärker auf die Notlage der Fußballer aus Gaza richten würden; viele von ihnen hätten das Potenzial für eine glänzende Karriere, wenn man ihnen nur dieselbe Aufmerksamkeit schenken würde wie Spielern im Ausland. Auch außerhalb Palästinas stehen im Exil lebende palästinensische Fußballer vor enormen Herausforderungen.
Der 25-jährige palästinensische Spielmacher und Flügelspieler Mohammed Hamada spielt für den Al-Okhwa Club im Flüchtlingslager Saida im Libanon. Hamadas Großeltern wurden während der Nakba im Jahr 1948 aus ihrer Heimat in Akkon, an der Nordküste des historischen Palästinas, vertrieben. Palästinensische Flüchtlinge im Libanon können weder in irgendeinen Teil Palästinas zurückkehren noch diesen besuchen, da die vom Libanon ausgestellten Reisedokumente von den israelischen Behörden nicht anerkannt werden und sie kein Visum für die Einreise in die besetzten Gebiete beantragen können.
Ähnlich wie palästinensische Sportler im Gazastreifen und im Westjordanland, denen Israel die Reisegenehmigung verweigert, hatte auch Mohammed zwar Gelegenheiten, im Ausland zu spielen; doch sein unsicherer Status im Libanon – ohne Reisepass und lediglich mit einem Reisedokument ausgestattet – verhinderte, dass er seine Träume verwirklichen konnte. Vor dem Turnier am Freitag erklärt er, dieser Pokal bedeute ihm alles und er wolle unbedingt zu Ehren seines Volkes in Gaza spielen.
„Ich kann nicht nach Palästina einreisen. Was in den letzten drei Jahren geschehen ist, hat mir das Herz gebrochen. Die Teilnahme an diesem Turnier ist emotional so überwältigend, dass ich es kaum in Worte fassen kann“, sagte er mit zitternder Stimme. „Ich bin fest entschlossen, die Trophäe zu gewinnen, um den tausend Märtyrern die größtmögliche Ehre zu erweisen. Dieses Turnier bietet uns als Fußballern die Chance, unsere Botschaft zu vermitteln, denn der Fußball ist ein hervorragendes Medium, um sich Gehör zu verschaffen.“
„Ich hoffe, dass die Welt mehr auf Gaza und Palästina schaut“, fügte er hinzu. „Es ist genug geschehen. Ich möchte, dass die gesamte internationale Unterstützung – insbesondere von der FIFA und den Fußballverbänden – den Spielern in Gaza und Palästina zugutekommt. Wir alle haben Gaza im Stich gelassen, ganz gleich, was wir tun.“
