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STANDORT April 2026 – (C) Stefan Siegert

Irankrieg zwischen Lüge und Insiderwissen

(Die Iraner, mit denen Sie vor zwei Tagen gesprochen haben….sind sie hier im Raum?)

Der US-Cartoonist Bill Bramhall zeichnete s.o. eine bemerkenswerte Trump-Karikatur und warf in der Zeichnung eine nicht unwichtige Frage auf: glaubt Trump an seine eigenen Lügen? Peter Hänseler zieht den verbreiteten psychologisierenden Mutmaßungen und Verwünschungen in Richtung des US-Präsidenten Gräten ein. Er berichtet am Beispiel der jüngsten Trump-Lüge über angebliche Verhandlungen der Trump-Administration mit der iranischen Regierung über das Zusammenspiel von White House und Börse. Ein Paar Minuten vor Veröffentlichung der Trump-Behauptung geschah an den Börsen Zauberhaftes:

Der Autor resümiert:

Am 28. Februar überfielen die USA und Israel den Iran. Heute, am 3. April, gehen wir in den zweiten Monat eines Krieges, der ursprünglich auf vier, maximal acht Tage angelegt war. Enthauptung und möglichst weitgehende Zerstörung des Landes waren das Ziel. Shock and Awe. Nach dieser Methode hatte der Regime-Change im Irak 2003 innerhalb zweier Wochen geklappt; derart triumphal kriegsverbrecherisch präsentierte sich die größte Militärmacht des Globus zum letzten Mal 2025 in Venezuela. Diesmal geht es anders. Man fühlt sich an die französischen Revolutionsarmeen von 1791 erinnert. Sie brachten eine neue Strategie, eine bewegliche moderne Schlachtordnung in die Militärgeschichte ein und waren für eine Weile unbesiegbar.

Am 2. März (Datum bei seniora.org) verbreitet Scott Ritter, ex CIA-Mitarbeiter und immer noch gut im Thema, überraschende, lehrreiche Informationen über den religiösen Iran und seine auch demokratischen (!) Strukturen; er seziert die tödliche US-Illusion eines Regime-Change im Iran und informiert über den sichtbaren Stand der militärischen Dinge. „Das ist genau, was unser US-Publikum hören sollte“, sagt der Interviewer Danny Haiphong. Es ist auch genau, was das deutsche Publikum hören sollte. Darum an dieser Stelle die Bitte – nehmen Sie den dummen Spruch, dass man ja doch nichts ändern könne, nicht einfach hin. Man kann Dinge, die man im – unzensierten – Internet gefunden hat und für wichtig hält (so, wie das auf dieser Homepage und auf vielen anderen und größeren Seiten geschieht) mündlich oder schriftlich weiterverbreiten. Kleinvieh macht auch Mist, sagte man früher. Digitales Vieh mag klein sein. Seine Zahlen wachsen ins voll Große, wenn niemand mehr an dumme Sprüche glaubt.

Homo Wohlers – ein Citoyen in Hamburg St. Georg

Am 19. Juli 2025 starb der Buchhändler und Büchermensch Jürgen Wohlers. Sein Foto hängt im Fenster seines Ladens am Ossietzky-Platz in Hamburg. Er war eine der kulturellen Herzkammern des Stadtteils an der Alster. Mit seinem Ableben wird voraussichtlich im Frühjahr 2026 auch der Buchladen sterben. In der dritten Generation. Es war der anspruchsvolle – und erfolgreiche – Versuch einer nicht eben mit Reichtümern gesegneten Familie, in Hamburgs Zentrum einen unabhängigen Buchladen von Bedeutung zu betreiben. mehr…

Der Deutschlandfunk auf der Höhe der Zeit.

Goethe 2.0

Der alte Goethe wusste schon vor 200 Jahren wie es läuft. Zündeln, eskalieren, Spannung halten. Und wenn sich die Gegendseite endlich zur Wehr setzt – Heureka -, sind es wieder die anderen, die den Krieg angefangen haben.

beide Bilder vom 8. Januar 2026 – RT Deutsch

Eine Tagesschau nach der anderen vergeht. Die Welt verändert sich. Das Weltbild der Tagesschau bleibt dasselbe. Die guten Zionisten in USA und Israel bleiben dieselben, der böse Putin bleibt derselbe. Da kann ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg des US-Gewaltsystems dem nächsten folgen. Es bleibt dabei:

Johann Wolfgang von Goethe, Faust II

Ein sprechend einleuchtendes Ölbild von der Hand des koblenzer Malers Joseph Willibrord Mähler (1778-1860). Mein Beethoven-Büchlein sieht sich – im Verhältnis zur Beethoven-Ikone eines aufs Altbekannte wie festgenagelten Bürgertums – in der Perspektive dieses Porträts.

Herausgekommen in der 100-Seiten-Serie des Reclam Verlag.

Volker Hagedorn in den Autoren-Tips der ZEIT (hyperkurz, hypergenau, hyperrichtig mit jedem Wort) – Stefan Siegert: Beethoven (Reclam) Leben, Werke, Welt, fließend verbunden, engagiert, kundig und gewitzt geschrieben – ein randvolles Brevier.

Der als Bild-Chefredakteur einschlägig bekannt gewordene Julian Reichelt im Interview auf dem Youtube-Kanal der Journalistin Jasmin Kosubek. Sie holt neben Reichelt auch anders tickende Gesprächspartner an ihren Tisch. So den Psychoanalytiker Andreas Peglau (er macht sich für eine Neuentdeckung Wilhelm Reichs stark, des Freud-Schülers und tiefenpsychologischen Erforschers der „Massenpsychologie des Faschismus“, Reich begründete die Körpertheorie ua. ). Es unterhalten sich mit Kosubek Menschen wie der bestgekleidete Marxist unter den Gesellschaftskritikern, er heißt Wolfgang M. Schmidt. Der Didaktik- und Pädagogikprofessor Bernhard Krötz kritisiert bei Kosubek fundamental den neoliberalen Frontalangriff auf deutsche Kultur und Bildung. Zeitgenossen wie der Chefdenker der extremen Rechten, Götz Kubitschek treten auf. Jasmin Kosubek führt sie alle vor Augen, gibt ihnen ein Gesicht, lässt sie ausreden. Es geht um die Möglichkeit, das Denken dieser Menschen aus größerer Nähe kennenzulernen. Günther Gauss hat diese Arbeitsweise in der Zeit der Adenauer-Republik innovativ vorgemacht und bis zu seinem Tod fortgeschrieben, er hat damit ein wichtiges Archiv lebendiger Zeitdokumente geschaffen. Nach etwas auch nur annähernd Vergleichbarem sucht man 2026 im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vergebens. Dann also Youtube, dann zum Beispiel ruhig einmal Jasmin Kosubek.

Ich war siebzehn, als Fritz Bauer im Dezember 1963 gegen einen Staat der Altnazis den Frankfurter Auschwitz-Prozess durchkämpfte. Ich wuchs in einer Nazi-Familie auf. Fritz Bauers (1903 – 1968) Persönlichkeit und Leistung beeindruckte mich fürs Leben. In Erinnerung ist er vielen Menschen meiner Generation als moralisches Leitbild – aufrecht, unfassbar beharrlich, ein exzellenter Jurist. Die launige, witzige, lebenfrohe Seite Bauers hat die Journalistin Renate Lasker-Harpprecht ihm genial abgeschmeichelt (Bauer wird im FEUILLEPOL politisch gewürdigt).

Auf dem Foto Anne Brorhilker, bis zu ihrem überraschenden Rücktritt als Oberstaatsanwältin, Leiterin und treibende Kraft der für die juristische Aufarbeitung der „Cum Cum“ und „Cum Ex“ Skandale verantwortlichen Abteilung der Kölner Staatsanwaltschaft. Sie ist eine der Hauptpersonen in der unbedingt sehenswerten ZDF-Doku Systemfehler – der Cum Ex-Skandal. Im Moment der Niederschrift dieser Zeilen

H. Kesting 1943 – 2025

„Am Morgen vorgelesen“ hieß die NDR-Sendung schon vor mehr als 60 Jahren, sie heißt bis heute so. Die Auffassung davon, was Literatur ist, hat sich freilich während der Zeit Hanjo Kestings – als dem Kopf und Gesicht dieser Sendereihe – deutlich verändert. mehr…

Im Menü TIEF AUS DEM ARCHIV aus den goldenen Jahren des Freelance-Journalismus: ein Portät Eckhard Henscheids in Essen und Trinken von 1995:

Im Goldenen Löwen in Kallmünz, Herr Henscheid und ich

Das letzte Wort auf meiner Startseite hat ein Bild. Der Metzgersohn Filippo Lippi (um 1406 – 1469) ist neben den anderen Renaissance-Riesen, neben Leonardo, Rafaelo, Boticelli, Tiziano, Michelangelo leicht in den Hintergrund geraten. Unverdient. Er gehört, wenn auch als einer der älteren, dazu. Wie irdisch, ja wie erotisch das freigelassene rechte Ohr der Madonna. Die Doppelfigur der Madonna mit Kind ist fast grell aus dem Dunkel des Muscheldekors hervorgehoben. Innerhalb beider Figuren überwiegt – zulasten der Plastizität – das Licht die Schatten, Kontraste und Kontur kommen zum Zuge. Aber die deutliche Linie, die beider Köpfe auseinanderhalten soll, trennt nicht. Sie ist Chiffre für ein Zusammengehören. Die kleine linke Hand des Kinds hält sich im Rückentuch der jungen Frau fest, deren Rechte das Kind zugleich trägt und liebkost. Sie ist das Lieblingsmodell des Malers, Lippis Lebensgefährtin (darum das Ohr). Man könnte, noch als Agnostiker, religiös werden angesichts solcher Kunst. Sie enthält – neben ihrer ästhetischen Vollkommenheit – Form gewordene Liebe, Zärtlichkeit, Geborgenheit, Einssein, mithin edelste Menschlichkeit und ergo alles, was haltlose Menschen, so scheint es, der Menschheit zurzeit austreiben und in Vergessenheit geraten lassen wollen. Fra Filippos Arbeit sagt uns noch 600 Jahre später, dass – wie der Kuckuck im Volkslied -, was er da gemalt hat, langlebiger ist als alles, was die Botschaft eines solchen Bildes mit aller Gewalt vernichten will.

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