STANDORT Jahresende 2019/2020

AKTUELL.Büchner.Leonce und Lena.

VALERIO Ach Herr, was ich für ein Gefühl für die Natur habe. Das Gras steht so schön, dass man ein Ochs sein möchte, um es fressen zu können, und dann wieder ein Mensch, um den Ochsen zu fressen, der solches Gras gefressen.

PRINZ Unglücklicher, Sie scheinen auch an Idealen zu laborieren.

VALERIO O Gott! ich laufe schon seit 8 Tagen einem Ideal von Rindfleisch nach, ohne es irgendwo in der Realität anzutreffen.

Joseph Willibrord Mähler (1778-1860) aus Koblenz, ab 1849 Einreichungs-Protokoll-Direktor” bei der Wiener Hof- und Staatskanzlei – keiner traf das Geburtstagskind besser!

Letzte Nachrichten über meinen Beitrag zum Beethovenjahr, ein in der 100-Seiten-Serie des Reclam Verlag herauskommendes, ziemlich schmales, ziemlich prallvolles Büchlein über den revolutionären Tonsetzer und seine Musik.

EIN SENSATIONELLES UMFANG-INHALT-VERHÄLTNIS!

Im Januar 2020 ist Andruck. Im Februar erscheinen Buch und Autor zur Leipziger Buchmesse.

AKTUELLes

GEDANKEN ZU RENÉ JACOBS’ NEUER UR-LEONORE

50 X BEETHOVEN=2020.MUSIKFEATURE.SWR2

NEUES MUSIKFEATURE SWR – EINE LANGE GESCHICHTE

ELVIRA SEIWERT: Die Musik im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit.

INTIMSPHÄRE (gibt es nur noch analog)….

NEU!

MARX-BAUM von Stefan Siegert, mit oder ohne China-Stempel (Venceremos!), signiert für 20.- EURO plus 10.- Versand

bei Interesse bitte 30.- Euro auf Stefan Siegert IBAN DE57201900030008808902 – bitte die Postadresse auf Überweisung schreiben

Ästhetische Faustregel für jeden Künstler (gefunden in Berlin bei Freund Christoph R.).

Halb voll? Halb leer?

AKTUELL.Mein Autorenausblick auf 2020, aus: VAN #234

Wish You Were Here

Die Pianistin Annika Treutler bringt pünktlich zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz Ende Januar 2020 eine CD mit Werken des dort 1944 von den deutschen Faschisten umgebrachten tschechischen Komponisten Viktor Ullmann heraus. Der das, in einer Zeit neoliberaler Geschichtsignoranz leider gar nicht selbstverständliche, durchaus verdienstvolle Projekt begleitende Film sagt auf Youtube dazu in bester Absicht das seit 75 Jahren Übliche: Wer aus der Vergangenheit nichts lernt, wird ihre Wiederkehr erleben et cetera. Eine Sprachregelung so alt wie der Staat, in dem wir leben. Sie hat weder brennende Flüchtlingsquartiere noch die erneute Beteiligung deutscher Soldaten an einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg verhindert. Das Menschheitsverbrechen, dem Viktor Ullmann 1944 zum Opfer fiel, begann 1929 mit einem Globalcrash des kapitalistischen Finanzsystems. Es handelte sich beim bis heute in keiner Weise bewältigten Bankencrash von 2008 um dieselbe Logik derselben Ökonomie. Mit denselben Folgen: durch massive Prekarisierung erzwungene Faschisierung, Rassismus, viele kleinere Kriege, am Ende der große Krieg. Es gehört zum Substrat der Weltkunst als eines geschichtlichen Phänomens, Ullmann inklusive, sich zur Geschichte zu verhalten. Wenige unrühmliche Ausnahmen beiseite, taten das die großen Künstler immer positiv. Der Jubilar Beethoven etwa, mit ihm die große Majorität seiner Kollegen, stand auf der Seite des Lebens, sie wandten sich – man höre das Dona nobis pacem der großen Messen von Bach bis Britten – gegen den Krieg. Ginge es nach mir, ich würde dafür sorgen, dass ARD und ZDF zeitgleich, statt tagesschau und heute journal, ein die Ullmann-CD begleitendes Konzert life übertrügen. Zur üppigen Finanzierung würde ich zwangsweise die einheimische Waffenindustrie heranziehen. Um geeignete Autorinnen für die kurze, deutliche Rede vorneweg würde ich mich kostenlos kümmern.

Das Jubeljahr läuft. In einer ansonsten unangenehm sonnigen, begrifflich wie gedanklich die Oberfläche nicht verlassenden, im OTon oft nur falschen, in den Interviews mit Herrn Cayers immerhin kompetent, in Kollegin Eva Gesine Bauer allerdings wieder auch eher stylisch besetzten Serie zum Geburtstagskind fand sich immerhin dies: Ein die Enge des Uraufführungssaals der Eroica im Palais Lobkowitz endlich einmal plastisch vor Augen führendes Bild (3sat). Wiener Philharmoniker? Keine Chance.

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