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Worüber staunt man in diesen fast sommerlichen Tagen anno 2026 wohl mehr: über die sich hinziehend zugespitzte Weltlage. Oder über die immer nur die eine Sicht aufs Geschehen kennende Ahnungslosigkeit und Gleichgültigkeit, in welche die reichweitenstarken Mainstream-Medien von Tagesschau bis Bildzeitung die deutsche Öffentlichkeit versetzt haben.
In der Ukraine und im Nahen Osten, den zwei bisher brennenden Lunten zu einem dritten Weltkrieg, geschieht nun aber Entscheidendes. Denn Russland hat es offensichtlich endgültig satt, sich von den europäischen Kriegstreibern und Kriegsfantasten mit immer neu eskalierenden Provokationen auf der Nase herumtanzen zu lassen. Es hat auf seine für Jahre technisch überlegenen Raketen (Oreshnik, Kinshal, Sarmat, Avantgard) bisher immer nur immer dringlicher hingewiesen. Jetzt beginnen die Russen, von der vollen Zerstörungskraft dieser Hyperschallwaffen physisch Gebrauch zu machen.
Und der Iran hat sich auf unfassbar geheime Weise seit etwa dreißig Jahren auf den 28. Februar 2026 vorbereitet, als der nun wirklich brutale (und hintertückische) US/israelische Angriffskrieg gegen das Land Tausende unschuldige Menschen tötete. Aber kein Regime-Change, kein Staatszerfall fand statt. Stattdessen schlug das Land aus für die US/israelischen Aggressoren unerreichbaren, tief unter die Gebirge des Landes gefrästen Raketenstädten und -fabriken zurück. Milliardenteure US-Radarstationen wurden zerstört, die legendäre 5. Flotte der USA musste aus ihrem Hafen in Bahrain fliehen. Den riesigen Aufmarsch der US-Navy in der Region halten die iranischen Waffen in für die Amerikaner demütigender Distanz. Und mit der stabilen Kontrolle über die Straße von Hormuz lassen die Iraner gleich mehrere Uhren in der globalen Finanzwelt ticken. Die Staaten des Nahen Ostens, bis gestern im festen Griff des US-Hegemons, beginnen, sich umzuorientieren.
Die Weltführungsmacht USA ist entzaubert. Die Iraner sind der Sieger dieses Krieges. Vieles deutet daraufhin, dass sie ihr von Anfang an erklärtes Hauptkriegsziel erreicht haben: die Amerikaner aus dem Nahen Osten zu vertreiben. Der US-Analyst Larry Johnson, interviewt von Glenn Diesen, gibt am 3. Juni erschreckende Perspektiven des weiteren Kriegsverlaufs zu Protokoll.
Aus dem Papierkorb der Westmedien
Der Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Bejing Mitte Mai 2026 wurde von den öffentlich-privaten Regierungsmedien des Westens wie üblich als geopolitisches Freundschaftsspektakel abgetan, keine Drohungen, keine nennenswerten Ergebnisse. Es lohnt freilich, die das Treffen abschießende Erklärung Putins und Xi Jinpings zu lesen (sehr lang, in der Sprache staatsoffizieller Erklärungen). Wann zuletzt hätte es seitens des Westens in der Kürze so umfassende diplomatische Erklärung zur Weltlage gegeben, wann dazu einen Ausblick auf eine im Entstehen begriffene multipolare Global Governance im Sinn der Bevölkerungen aller Länder. Und von wem auch? Man wundert sich, zu welchen politischen Aus-Führern die seit dem Aufstieg der Volksrepublik China um ihre Freiheit fürchtenden herrschenden Eliten des Westens am Ende immer wieder greifen. Egal, ob mit schwarzem Hitlerbärtchen oder kunstblonder Trumptolle – sie ähneln sich teuflisch durch die Zeiten in dem, was sie tun.
Irankrieg
So haben wir ihn noch nicht gesehen. Ein von düsteren Wolken verschattetes Gesicht, die Stirn gerunzelt, er hatte direkt so etwas wie einen Anflug von Profil und Charakter. Friedrich Merz, in einer Umfrage soeben als von den Bundesbürgern mit 83 Prozent Minus schlechtester Regierungschef der BRD-Geschichte abgekanzlert, brachte zu seinem Auftritt am 28. Aprilvor Gymnasiasten in NRW eine für seine Verhältnisse überraschend realistische Einschätzung der Weltlage mit. mehr...
Nach einer Einschätzung des US-Analysten Scott Ritter vom 20. April, ist der Iran-Krieg entschieden, einerlei wie die Lage am Ende aussieht. „Der Krieg gegen den Iran“, schreibt er auf dem Forum Geopolitica, „hat die Illusion der militärischen Überlegenheit der USA und der von ihr gestützten Weltordnung zerschlagen. Das ist kein Rückschlag – es ist der Anfang vom Ende des von den USA geführten Imperiums.“ lang und lohnend….
Im Blick den gegenwärtigen US-Präsidenten, reibt man sich die Augen: es verschwimmen in diesem Menschen zusehends die Grenzen zwischen Politik und Pathologie.

(Die Iraner, mit denen Sie vor zwei Tagen gesprochen haben….sind sie hier im Raum?)
Der US-Cartoonist Bill Bramhall zeichnete eine bemerkenswerte Trump-Karikatur und warf in der Zeichnung die Frage auf: glaubt Trump an seine eigenen Lügen?
Der britische Ex-Diplomat, Ex-Geheimdienstler und Analyst Alastair Crook weist diesbezüglich am 18. April auf seiner 2004 gegründeten Website Conflictsforum auf den jüngsten Fall natürlich überhaupt nicht pathologischen Zusammenspiels von Börse und Politik hin (in Englisch). Insiderwissen ist im Weißen Haus – dank auch ihres Prachtschwiegersohns zum sprudelnden Segen der Familienkasse Trumps – integraler Bestandteil von Regierungspolitik. Voll pathologisch ist dagegen, was Trump der Welt alles an Blödsinn erzählen kann, ohne dass etwa die deutsche Einheitspresse dazu auf nennenswerte Weise Stellung bezieht.
Peter Hänseler lieferte am Beispiel vergangener Trump-Fantasien zum Thema Verhandlungen zwischen Iran und USA schon Anfang April Fakten. Ein Paar Minuten vor Veröffentlichung der Trump-Lügengeschichten geschah an den Börsen Zauberhaftes:
„Rund 6200 Futures-Kontakte der Sorte Brand und West Texas Intermedia wechselten am Montag zwischen 6.49 Uhr und 6.50 Uhr New Yorker Zeit den Besitzer, nur eine Viertelstunde vor besagten Tweet Trumps of Truth Social, dass es in den letzten Tagen produktive Gespräche mit Teheran zur Beendigung des Krieges mit Iran angegeben habe. Nach Berechnungen der FT auf der Grundlage von Bloomberg Daten belief sich der Nominalwert dieser Geschäfte auf 580 Millionen“.
Der Autor resümiert:
„Verglichen mit diesen Leuten ist die Mafia so ungefährlich wie Mutter Theresa!“
Die Russen sind nicht unser Feind
Die extreme Russenfeindlichkeit im Deutschland des Jahres 2026 hat eine lange Geschichte. Sie beginnt am 20. März 1890 mit der Entlassung des Kanzlers Otto von Bismarck durch Kaiser Wilhelm II. Was immer man dem „eisernen Kanzler“ und reaktionären Junker mit viel Recht alles ankreiden kann – für Bismarck war ein gutes Verhältnis zu Russland Voraussetzung für eine im Rücken sichere deutsche Europapolitik plus Reichseinigung von oben. Vierundzwanzig Jahre später erklärte das deutsche Reich dem kaiserlichen Russland den Krieg; es marschierte unter anderem zum ersten Mal in die Ukraine ein. Mit Ausnahme mehrerer eher kurzer Episoden von Friedensspolitik, die sich mit Namen wie Joseph Wirth (Rapallo), Willy Brandt, vielleicht noch mit Helmuth Schmidt, Helmuth Kohl und Gerhard Schröder verbinden, zieht sich seitdem die Russophobie durch die neuere deutsche Geschichte. In der langen Reihe deutscher Politiker, welche die Russen hassten und hassen, stehen mit 27 Millionen getöteten Sowjetmenschen Adolf Hitler und Joseph Goebbels an der Spitze. Friedrich Merz, Ursula von der Leyen, Boris Pistorius et al. sind nur die letzten Protagonisten dieser speziellen Sorte Außenpolitik kapitalistischer Eliten.
Am 17. April beschrieb auf einer Veranstaltung der Berliner Zeitung im Berliner Theater OST Russlands Botschafter Sergej Netschajew diese Politik und ihre Darsteller aus russischer Sicht – hochinteressant; wann werden wir ihn bei Lanz, Illner, Maischberger erleben? Der proppevolle Saal in Berlin bot leider nur einem winzigen Teil der deutschen Öffentlichkeit Gelegenheit, einmal wieder einen wirklichen Diplomaten zu erleben. Einen gebildeten, gut informierten Fachmann, konziliant und rollenbewusst. Einer ohne Sprechblasen, mit größeren Zusammenhängen und höflich formulierten Erwägungen. Herr Netschajew genoss es sichtlich, auf deutschem Staatsgebiet endlich einmal ungestört und nicht in jedem Satz hektisch unterbrochen in aller Ruhe den Standpunkt der russischen Föderation zu brandaktuellen Fragen wie etwa der des Ukraine-Kriegs zu erläutern. Er forderte das deutsche Publikum mehrmals schmunzelnd auf, doch nicht immer so pessimistisch zu sein.
Homo Wohlers – ein Citoyen in Hamburg St. Georg

Am 19. Juli 2025 starb der Buchhändler und Büchermensch Jürgen Wohlers. Sein Foto hängt im Fenster seines Ladens am Ossietzky-Platz in Hamburg. Er war eine der kulturellen Herzkammern des Stadtteils an der Alster. Mit seinem Ableben wird voraussichtlich im Frühjahr 2026 auch der Buchladen sterben. In der dritten Generation. Es war der anspruchsvolle – und erfolgreiche – Versuch einer nicht eben mit Reichtümern gesegneten Familie, in Hamburgs Zentrum einen unabhängigen Buchladen von Bedeutung zu betreiben. mehr…
Der Deutschlandfunk auf der Höhe der Zeit.
Gibt es wohl ein Thema mit ausreichendem Anrüchigkeitsfaktor, welches die Leitmedien Nato-Europas nicht mit Vladimir Putin in Zusammenhang bringen? Der Deutschlandfunk (DLF), einst Leuchtturm kritisch ausgewogener Berichterstattung, präsentiert im Februar 2026 folgende Überschrift:


Das Thema Epstein garantiert Reichweite. Anfang Februar 2026 dem polnischen Regierungschef Donald Tusk. Der bezog sich bei seinem letzten Anfall galoppierender Russophobie auf eine Vermutung der Daily Mail, die wiederum ihre Informationen wo bitte herbekam? Na klar, bei „den Geheimdiensten“. Man ist beeindruckt. Was hatte Putin mit Epstein zu schaffen? mehr…
Goethe 2.0
Der alte Goethe wusste schon vor 200 Jahren wie es läuft. Zündeln, eskalieren, Spannung halten. Und wenn sich die Gegendseite endlich zur Wehr setzt – Heureka -, sind es wieder die anderen, die den Krieg angefangen haben.

Eine Tagesschau nach der anderen vergeht. Die Welt verändert sich. Das Weltbild der Tagesschau bleibt dasselbe. Die guten Zionisten in USA und Israel bleiben dieselben, der böse Putin bleibt derselbe. Da kann ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg des US-Gewaltsystems dem nächsten folgen. Es bleibt dabei:

Johann Wolfgang von Goethe, Faust II

Ein sprechend einleuchtendes Ölbild von der Hand des koblenzer Malers Joseph Willibrord Mähler (1778-1860). Mein Beethoven-Büchlein sieht sich – im Verhältnis zur Beethoven-Ikone eines aufs Altbekannte wie festgenagelten Bürgertums – in der Perspektive dieses Porträts.
Herausgekommen in der 100-Seiten-Serie des Reclam Verlag.
Volker Hagedorn in den Autoren-Tips der ZEIT (hyperkurz, hypergenau, hyperrichtig mit jedem Wort) – Stefan Siegert: Beethoven (Reclam) Leben, Werke, Welt, fließend verbunden, engagiert, kundig und gewitzt geschrieben – ein randvolles Brevier.
VIDEOS FILMTIPPS

Der als Bild-Chefredakteur einschlägig bekannt gewordene Julian Reichelt im Interview auf dem Youtube-Kanal der Journalistin Jasmin Kosubek. Sie holt neben Reichelt auch anders tickende Gesprächspartner an ihren Tisch. So den Psychoanalytiker Andreas Peglau (er macht sich für eine Neuentdeckung Wilhelm Reichs stark, des Freud-Schülers und tiefenpsychologischen Erforschers der „Massenpsychologie des Faschismus“, Reich begründete die Körpertheorie ua. ). Es unterhalten sich mit Kosubek Menschen wie der bestgekleidete Marxist unter den Gesellschaftskritikern, er heißt Wolfgang M. Schmidt. Der Didaktik- und Pädagogikprofessor Bernhard Krötz kritisiert bei Kosubek fundamental den neoliberalen Frontalangriff auf deutsche Kultur und Bildung. Zeitgenossen wie der Chefdenker der extremen Rechten, Götz Kubitschek treten auf. Jasmin Kosubek führt sie alle vor Augen, gibt ihnen ein Gesicht, lässt sie ausreden. Es geht um die Möglichkeit, das Denken dieser Menschen aus größerer Nähe kennenzulernen. Günther Gauss hat diese Arbeitsweise in der Zeit der Adenauer-Republik innovativ vorgemacht und bis zu seinem Tod fortgeschrieben, er hat damit ein wichtiges Archiv lebendiger Zeitdokumente geschaffen. Nach etwas auch nur annähernd Vergleichbarem sucht man 2026 im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vergebens. Dann also Youtube, dann zum Beispiel ruhig einmal Jasmin Kosubek.
Ich war siebzehn, als Fritz Bauer im Dezember 1963 gegen einen Staat der Altnazis den Frankfurter Auschwitz-Prozess durchkämpfte. Ich wuchs in einer Nazi-Familie auf. Fritz Bauers (1903 – 1968) Persönlichkeit und Leistung beeindruckte mich fürs Leben. In Erinnerung ist er vielen Menschen meiner Generation als moralisches Leitbild – aufrecht, unfassbar beharrlich, ein exzellenter Jurist. Die launige, witzige, lebenfrohe Seite Bauers hat die Journalistin Renate Lasker-Harpprecht ihm genial abgeschmeichelt (Bauer wird im FEUILLEPOL politisch gewürdigt).
Auf dem Foto Anne Brorhilker, bis zu ihrem überraschenden Rücktritt als Oberstaatsanwältin, Leiterin und treibende Kraft der für die juristische Aufarbeitung der „Cum Cum“ und „Cum Ex“ Skandale verantwortlichen Abteilung der Kölner Staatsanwaltschaft. Sie ist eine der Hauptpersonen in der unbedingt sehenswerten ZDF-Doku Systemfehler – der Cum Ex-Skandal. Im Moment der Niederschrift dieser Zeilen…
„Am Morgen vorgelesen“ hieß die NDR-Sendung schon vor mehr als 60 Jahren, sie heißt bis heute so. Die Auffassung davon, was Literatur ist, hat sich freilich während der Zeit Hanjo Kestings – als dem Kopf und Gesicht dieser Sendereihe – deutlich verändert. mehr…

Im Menü TIEF AUS DEM ARCHIV aus den goldenen Jahren des Freelance-Journalismus: ein Portät Eckhard Henscheids in Essen und Trinken von 1995:

Das letzte Wort auf meiner Startseite hat ein Bild. Der Metzgersohn Filippo Lippi (um 1406 – 1469) ist neben den anderen Renaissance-Riesen, neben Leonardo, Rafaelo, Boticelli, Tiziano, Michelangelo leicht in den Hintergrund geraten. Unverdient. Er gehört, wenn auch als einer der älteren, dazu. Wie irdisch, ja wie erotisch das freigelassene rechte Ohr der Madonna. Die Doppelfigur der Madonna mit Kind ist fast grell aus dem Dunkel des Muscheldekors hervorgehoben. Innerhalb beider Figuren überwiegt – zulasten der Plastizität – das Licht die Schatten, Kontraste und Kontur kommen zum Zuge. Aber die deutliche Linie, die beider Köpfe auseinanderhalten soll, trennt nicht. Sie ist Chiffre für ein Zusammengehören. Die kleine linke Hand des Kinds hält sich im Rückentuch der jungen Frau fest, deren Rechte das Kind zugleich trägt und liebkost. Sie ist das Lieblingsmodell des Malers, Lippis Lebensgefährtin (darum das Ohr). Man könnte, noch als Agnostiker, religiös werden angesichts solcher Kunst. Sie enthält – neben ihrer ästhetischen Vollkommenheit – Form gewordene Liebe, Zärtlichkeit, Geborgenheit, Einssein, mithin edelste Menschlichkeit und ergo alles, was haltlose Menschen, so scheint es, der Menschheit zurzeit austreiben und in Vergessenheit geraten lassen wollen. Fra Filippos Arbeit sagt uns noch 600 Jahre später, dass – wie der Kuckuck im Volkslied -, was er da gemalt hat, langlebiger ist als alles, was die Botschaft eines solchen Bildes mit aller Gewalt vernichten will.











