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STANDORT Anfang Mai 2026 – Fast schon Sommer aber kalt – (C) Stefan Siegert

Irankrieg

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So haben wir ihn noch nicht gesehen. Ein von düsteren Wolken verschattetes Gesicht, die Stirn gerunzelt, er hatte direkt so etwas wie einen Anflug von Profil. Friedrich Merz, in einer Umfrage soeben als von den Bundesbürgern mit 83 Prozent Minus schlechtester Regierungschef der BRD-Geschichte abgekanzlert, brachte zu seinem Auftritt am 28. April vor Gymnasiasten in NRW eine für seine Verhältnisse überraschend realistische Einschätzung der Weltlage mit. mehr

Nach einer Einschätzung des US-Analysten Scott Ritter vom 20. April, ist der Iran-Krieg entschieden, einerlei wie die Lage am Ende aussieht. „Der Krieg gegen den Iran“, schreibt er auf dem Forum Geopolitica, „hat die Illusion der militärischen Überlegenheit der USA und der von ihr gestützten Weltordnung zerschlagen. Das ist kein Rückschlag – es ist der Anfang vom Ende des von den USA geführten Imperiums.“ lang und lohnend….

Im Blick den gegenwärtigen US-Präsidenten, reibt man sich die Augen: es verschwimmen in diesem Menschen zusehends die Grenzen zwischen Politik und Pathologie.

(Die Iraner, mit denen Sie vor zwei Tagen gesprochen haben….sind sie hier im Raum?)

Der US-Cartoonist Bill Bramhall zeichnete eine bemerkenswerte Trump-Karikatur und warf in der Zeichnung die Frage auf: glaubt Trump an seine eigenen Lügen?

Der britische Ex-Diplomat, Ex-Geheimdienstler und Analyst Alastair Crook weist diesbezüglich am 18. April auf seiner 2004 gegründeten Website Conflictsforum auf den jüngsten Fall natürlich überhaupt nicht pathologischen Zusammenspiels von Börse und Politik hin (in Englisch). Insiderwissen ist im Weißen Haus – dank auch ihres Prachtschwiegersohns zum sprudelnden Segen der Familienkasse Trumps – integraler Bestandteil von Regierungspolitik. Voll pathologisch ist dagegen, was Trump der Welt alles an Blödsinn erzählen kann, ohne dass etwa die deutsche Einheitspresse dazu auf nennenswerte Weise Stellung bezieht.

Peter Hänseler lieferte am Beispiel vergangener Trump-Fantasien zum Thema Verhandlungen zwischen Iran und USA schon Anfang April Fakten. Ein Paar Minuten vor Veröffentlichung der Trump-Lügengeschichten geschah an den Börsen Zauberhaftes:

Der Autor resümiert:

Die Russen sind nicht unser Feind

Die extreme Russenfeindlichkeit im Deutschland des Jahres 2026 hat eine lange Geschichte. Sie beginnt am 20. März 1890 mit der Entlassung des Kanzlers Otto von Bismarck durch Kaiser Wilhelm II. Für Bismarck war ein gutes Verhältnis zu Russland Voraussetzung für eine im Rücken sichere deutsche Europapolitik. Vierundzwanzig Jahre später erklärte Deutschland dem kaiserlichen Russland den Krieg und marschierte unter anderem erstmals in die Ukraine ein. Mit Ausnahme mehrerer eher kurzer Episoden von Friedensspolitik, die sich mit Namen wie Joseph Wirth (Rapallo), Willy Brandt, vielleicht noch mit Helmuth Schmidt, Helmuth Kohl und Gerhard Schröder verbinden, zieht sich seitdem die Russenfeindlichkeit durch die neuere deutsche Geschichte. In der langen Reihe russenfeindlicher deutscher Politiker stehen mit 27 Millionen getöteten Sowjetmenschen Adolf Hitler und Joseph Goebbels an der Spitze. Friedrich Merz, Ursula von der Leyen, Boris Pistorius et al. sind nur die letzten Protagonisten dieser speziellen Sorte bürgerlicher Außenpolitik.

Am 17. April beschrieb auf einer Veranstaltung der Berliner Zeitung im Berliner Theater OST Russlands Botschafter Sergej Netschajew diese Politik und ihre Darsteller aus russischer Sicht. Hochinteressant. Wann werden wir ihn bei Lanz, Illner, Maischberger erleben? Der proppevolle Saal in Berlin bot leider nur einem viel zu kleinen Teil der deutschen Öffentlichkeit Gelegenheit, einmal wieder einen wirklichen Diplomaten zuzuhören. Einem gebildeten, gutinformierten Fachmann, konziliant und rollenbewusst. Einer ohne Sprechblasen, mit Zusammenhängen und höflich formulierten Erwägungen. Herr Netschajew genoss es sichtlich, auf deutschem Staatsgebiet endlich einmal ungestört und nicht in jedem Satz unterbrochen in aller Ruhe den Standpunkt der russischen Föderation zu erläutern zu brandaktuellen Fragen wie etwa der des Ukraine-Kriegs.

Homo Wohlers – ein Citoyen in Hamburg St. Georg

Am 19. Juli 2025 starb der Buchhändler und Büchermensch Jürgen Wohlers. Sein Foto hängt im Fenster seines Ladens am Ossietzky-Platz in Hamburg. Er war eine der kulturellen Herzkammern des Stadtteils an der Alster. Mit seinem Ableben wird voraussichtlich im Frühjahr 2026 auch der Buchladen sterben. In der dritten Generation. Es war der anspruchsvolle – und erfolgreiche – Versuch einer nicht eben mit Reichtümern gesegneten Familie, in Hamburgs Zentrum einen unabhängigen Buchladen von Bedeutung zu betreiben. mehr…

Der Deutschlandfunk auf der Höhe der Zeit.

Goethe 2.0

Der alte Goethe wusste schon vor 200 Jahren wie es läuft. Zündeln, eskalieren, Spannung halten. Und wenn sich die Gegendseite endlich zur Wehr setzt – Heureka -, sind es wieder die anderen, die den Krieg angefangen haben.

beide Bilder vom 8. Januar 2026 – RT Deutsch

Eine Tagesschau nach der anderen vergeht. Die Welt verändert sich. Das Weltbild der Tagesschau bleibt dasselbe. Die guten Zionisten in USA und Israel bleiben dieselben, der böse Putin bleibt derselbe. Da kann ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg des US-Gewaltsystems dem nächsten folgen. Es bleibt dabei:

Johann Wolfgang von Goethe, Faust II

Ein sprechend einleuchtendes Ölbild von der Hand des koblenzer Malers Joseph Willibrord Mähler (1778-1860). Mein Beethoven-Büchlein sieht sich – im Verhältnis zur Beethoven-Ikone eines aufs Altbekannte wie festgenagelten Bürgertums – in der Perspektive dieses Porträts.

Herausgekommen in der 100-Seiten-Serie des Reclam Verlag.

Volker Hagedorn in den Autoren-Tips der ZEIT (hyperkurz, hypergenau, hyperrichtig mit jedem Wort) – Stefan Siegert: Beethoven (Reclam) Leben, Werke, Welt, fließend verbunden, engagiert, kundig und gewitzt geschrieben – ein randvolles Brevier.

Der als Bild-Chefredakteur einschlägig bekannt gewordene Julian Reichelt im Interview auf dem Youtube-Kanal der Journalistin Jasmin Kosubek. Sie holt neben Reichelt auch anders tickende Gesprächspartner an ihren Tisch. So den Psychoanalytiker Andreas Peglau (er macht sich für eine Neuentdeckung Wilhelm Reichs stark, des Freud-Schülers und tiefenpsychologischen Erforschers der „Massenpsychologie des Faschismus“, Reich begründete die Körpertheorie ua. ). Es unterhalten sich mit Kosubek Menschen wie der bestgekleidete Marxist unter den Gesellschaftskritikern, er heißt Wolfgang M. Schmidt. Der Didaktik- und Pädagogikprofessor Bernhard Krötz kritisiert bei Kosubek fundamental den neoliberalen Frontalangriff auf deutsche Kultur und Bildung. Zeitgenossen wie der Chefdenker der extremen Rechten, Götz Kubitschek treten auf. Jasmin Kosubek führt sie alle vor Augen, gibt ihnen ein Gesicht, lässt sie ausreden. Es geht um die Möglichkeit, das Denken dieser Menschen aus größerer Nähe kennenzulernen. Günther Gauss hat diese Arbeitsweise in der Zeit der Adenauer-Republik innovativ vorgemacht und bis zu seinem Tod fortgeschrieben, er hat damit ein wichtiges Archiv lebendiger Zeitdokumente geschaffen. Nach etwas auch nur annähernd Vergleichbarem sucht man 2026 im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vergebens. Dann also Youtube, dann zum Beispiel ruhig einmal Jasmin Kosubek.

Ich war siebzehn, als Fritz Bauer im Dezember 1963 gegen einen Staat der Altnazis den Frankfurter Auschwitz-Prozess durchkämpfte. Ich wuchs in einer Nazi-Familie auf. Fritz Bauers (1903 – 1968) Persönlichkeit und Leistung beeindruckte mich fürs Leben. In Erinnerung ist er vielen Menschen meiner Generation als moralisches Leitbild – aufrecht, unfassbar beharrlich, ein exzellenter Jurist. Die launige, witzige, lebenfrohe Seite Bauers hat die Journalistin Renate Lasker-Harpprecht ihm genial abgeschmeichelt (Bauer wird im FEUILLEPOL politisch gewürdigt).

Auf dem Foto Anne Brorhilker, bis zu ihrem überraschenden Rücktritt als Oberstaatsanwältin, Leiterin und treibende Kraft der für die juristische Aufarbeitung der „Cum Cum“ und „Cum Ex“ Skandale verantwortlichen Abteilung der Kölner Staatsanwaltschaft. Sie ist eine der Hauptpersonen in der unbedingt sehenswerten ZDF-Doku Systemfehler – der Cum Ex-Skandal. Im Moment der Niederschrift dieser Zeilen

H. Kesting 1943 – 2025

„Am Morgen vorgelesen“ hieß die NDR-Sendung schon vor mehr als 60 Jahren, sie heißt bis heute so. Die Auffassung davon, was Literatur ist, hat sich freilich während der Zeit Hanjo Kestings – als dem Kopf und Gesicht dieser Sendereihe – deutlich verändert. mehr…

Im Menü TIEF AUS DEM ARCHIV aus den goldenen Jahren des Freelance-Journalismus: ein Portät Eckhard Henscheids in Essen und Trinken von 1995:

Im Goldenen Löwen in Kallmünz, Herr Henscheid und ich

Das letzte Wort auf meiner Startseite hat ein Bild. Der Metzgersohn Filippo Lippi (um 1406 – 1469) ist neben den anderen Renaissance-Riesen, neben Leonardo, Rafaelo, Boticelli, Tiziano, Michelangelo leicht in den Hintergrund geraten. Unverdient. Er gehört, wenn auch als einer der älteren, dazu. Wie irdisch, ja wie erotisch das freigelassene rechte Ohr der Madonna. Die Doppelfigur der Madonna mit Kind ist fast grell aus dem Dunkel des Muscheldekors hervorgehoben. Innerhalb beider Figuren überwiegt – zulasten der Plastizität – das Licht die Schatten, Kontraste und Kontur kommen zum Zuge. Aber die deutliche Linie, die beider Köpfe auseinanderhalten soll, trennt nicht. Sie ist Chiffre für ein Zusammengehören. Die kleine linke Hand des Kinds hält sich im Rückentuch der jungen Frau fest, deren Rechte das Kind zugleich trägt und liebkost. Sie ist das Lieblingsmodell des Malers, Lippis Lebensgefährtin (darum das Ohr). Man könnte, noch als Agnostiker, religiös werden angesichts solcher Kunst. Sie enthält – neben ihrer ästhetischen Vollkommenheit – Form gewordene Liebe, Zärtlichkeit, Geborgenheit, Einssein, mithin edelste Menschlichkeit und ergo alles, was haltlose Menschen, so scheint es, der Menschheit zurzeit austreiben und in Vergessenheit geraten lassen wollen. Fra Filippos Arbeit sagt uns noch 600 Jahre später, dass – wie der Kuckuck im Volkslied -, was er da gemalt hat, langlebiger ist als alles, was die Botschaft eines solchen Bildes mit aller Gewalt vernichten will.

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