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Donald Trump gibt den Zeuss

Er antwortete am 9. Januar der New York Times (Bezahlschranke) auf die Frage, ob sein Machtbewusstsein nach dem Venerzuela-Coup noch irgendwelche Grenzen kenne:

Aber wenn mir einer vor den Kühler läuft, möchte man den US-Präsidenten ergänzen, hat er halt Pech gehabt. Trump, dessen Wirksamkeit vor allem in seinem Übermaß an Chuzpe besteht, hält die Welt in Atem. mehr…

Russland hat kein Interesse daran, einen Teil vom Schrottplatz zu erobern. Das brauchen wir nicht.

Der Analyst, Historiker und geopolitische Berater von russischen Staatschefs von Breshnew bis Putin, Sergeij Karaganow im Interview mit Glenn Diesen über die hysterische Lüge, Russland habe die Absicht, Europa anzugreifen

Ein Donnerwort geht durch die Qualitätspresse. Eine russische Mittelstreckenrakete des Typs „Oreshnik“ (Haselnuss“) hat in der Nacht vom 8. auf den 9. Januar 2026 im Rahmen eines Großangriffs der Russen einen Angriff auch auf ein für die Energieversorgung des ukrainischen Militärindustriekomplexes kritisches und riesiges, tief unterirdisches Gaslager südlich von Lwiw (russ. Lwow) ausgeführt. Mit diesem einen Angriff, sagen Experten, wurden 50 Prozent der ukrainischen Energieversorgung ausgeschaltet. Die Rakete dieses Angriffs, heißt es, habe – eine letzte Warnung an den Westen – keinen Sprengkopf gehabt. Es lässt sich nicht länger verheimlichen: die Russen verfügen über eine Wunderwaffe, die, im Unterschied zu den „Wunderwaffen“ der Begriffserfinder, den Namen in der Tat verdient. Der Westen fällt aus allen Wolken oder tut wenigstens so. Dabei hat Wladimir Putin die Welt bereits im November 2024 über diese Waffe und ihre Eigenschaften detailliert aufgeklärt. Ich habe damals in der gewesenen jungen Welt darüber geschrieben.

Schandpfahl

Das Bild vom frisch gefangengenommenen und in die USA verschleppten Nicolas Maduro, ist pures Mittelalter 2.0 – der Pranger und Schandpfahl, er ist digital immer noch da. Eine Methode der Abschreckung. Sie erreichte vor achthundert Jahren vielleicht die 9000 Seelen einer mittelalterlichen (Residenz-) Stadt. Donald Trump postete dieses Symbolbild schrankenloser Macht und Menschheitsverachtung noch in der Nacht, in welcher er dem Völkerrecht den endgültigen Todesstoß versetzte, auf seiner Plattform „Truth social“. Es ging am 3. 1. 2026 online um die Welt. mehr…

Goethe 2.0

Der alte Goethe wusste schon vor 200 Jahren wie es läuft. Zündeln, eskalieren, Spannung halten. Und wenn sich die andere Seite endlich zur Wehr setzt – Heureka -, sind es wieder die anderen, die den Krieg angefangen haben. Das spielt nur keine Rolle mehr, denn ein Hinterher wird es diesmal nicht mehr geben.

beide Bilder vom 8. Januar 2026 – RT Deutsch

Johann Wolfgang von Goethe, Faust II

Ein sprechend einleuchtendes Ölbild von der Hand des koblenzer Malers Joseph Willibrord Mähler (1778-1860). Mein Beethoven-Büchlein sieht sich – im Verhältnis zur Beethoven-Ikone eines aufs Altbekannte festgenagelten Bürgertums – in der Perspektive dieses Porträts.

Herausgekommen in der 100-Seiten-Serie des Reclam Verlag.

Volker Hagedorn in den Autoren-Tips der ZEIT (hyperkurz, hypergenau, hyperrichtig mit jedem Wort) – Stefan Siegert: Beethoven (Reclam) Leben, Werke, Welt, fließend verbunden, engagiert, kundig und gewitzt geschrieben – ein randvolles Brevier.

Verlorene Illusionen (ARD-Mediathek bis zum 26. 1. 2026).Von ganz unten arbeitet sich Lucien Chandon, ein junger Setzer aus Angouleme in Richtung dessen vor, was für ihn um 1830 oben ist. Er will ein großer Dichter werden. Und bringt es immerhin für kurze Zeit zum Kritikerstar der Pariser Presse. The winner takes it all, heißt es; für Aufsteiger häufig mit dem Nachsatz: Then it takes him. Denn Lucien verliert sich wie so viele oben angekommene Unterschichtkinder im Erfolg und geht in einer Welt von Niedertracht, Käuflichkeit und Verrat unter. Die wilde Kinderstube des Kapitalismus. Schaut man aufs ethische wie menschliche Mobiliar, gleicht sie den regelbasierten Altersgemächern des Kapitalismus anno 2026. Xavier Giannolis übersetzte Honoré de Balzacs großen Roman „Verlorene Illusionen“ in ein Drehbuch, er war Chef am Set dieser im besten Sinn aufwändigen, atmosphärisch opulenten und dichten kineastischen Beschreibung einer Gesellschaft und des Systems, nach dem sie funktioniert. F 2021 / 142 Min.

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Planetenfern die Zeit, in denen ein Fritz Bauer im öffentlich-rechtlichen Rundfunk (!) der Bundesrepublik Deutschland zur besten Sendezeit eine Rede halten konnte, in der es um schon damals brennende Fragen ging. „Nie wieder Krieg!“ stand auf der Tagesordnung. Die erneute Wiederaufrüstung eines deutschen Staats gegen einen „Feind im Osten“, den der Rechtsvorgänger dieses deutschen Staats 23 Jahre zuvor mit einem in der Geschichte in seiner Grausamkeit solitären Vernichtungskrieg überzogen hatte. Eine Rede im gelebten Pathos des von den Nazis aus Deutschland vertriebenen Protagonisten eines ungefaked demokratischen Weimar – eine solche Rede hinein in die zum dritten Mal in der neueren Geschichte hysterisch aufgeheizte Russenfeindlichkeit einer deutschen Öffentlichkeit? Absolut undenkbar. mehr…

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Ein Dok-Film wie nicht viele. Ein spektakulärer Kunstraub 2002 in Amsterdam lässt zwei frühe Bilder Vincent van Goghs für vierzehn Jahre aus dem van Gogh-Museum verschwinden. Der die Sache aufklärende Amsterdamer Kommissar Bob Schagen und die italienische Staatsanwältin Vincenza Marra, die unbeabsichtigt den van Goghs auf die Spur kommt, wirken wie gecastet für die Rolle der coolen, gelassenen Jäger, sie schaffen 2016 die Bilder wieder an ihren Ort. Aber Stars und Hauptpersonen der Handlung sind Octave „Okkie“ Durham und Henk Bieslijn, zwei Prominente und Spitzenathleten in der Elite Amsterdamer Räuber und Einbrecher. Sie eroberten mit ihrem waghalsigen Coup damals die Herzen des europäischen Publikums. Was ist der klägliche Einsatz von ein paar Computerklicks der feinen Herrn vom Clan weltweiter Cum-Ex-Verbrecher der Fianzindustrie mit ihrer dreistelligen Millardenbeute gegen das, was Henk und Okkie für ein paar lumpige Millionen an handwerklicher Meisterschaft und Kaltblütigkeit hingelegt haben? (90 Min., D, I, B 2022, R: Stefano Strocchi; verfügbar bis 26. Januar 2026).

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Auf dem Foto Anne Brorhilker, bis zu ihrem überraschenden Rücktritt als Oberstaatsanwältin, Leiterin und treibende Kraft der für die juristische Aufarbeitung der „Cum Cum“ und „Cum Ex“ Skandale verantwortlichen Abteilung der Kölner Staatsanwaltschaft. Sie ist eine der Hauptpersonen in der unbedingt sehenswerten ZDF-Doku Systemfehler – der Cum Ex-Skandal. Im Moment der Niederschrift dieser Zeilen

Sonja Sutter (Lissy)

Der DDR-Regisseur Konrad Wolf wäre am 20. Oktober hundert Jahre alt geworden. arte zeigt aus diesem Anlass in einer Art Kurzquerschnitt seines Schaffens die vier Filme „Lissi“ (1957), „Sterne“ (1959), „Der geteilte Himmel“ (1964) und „Solo Sunny“ (1980). Besonders sein zentraler Film „Ich war neunzehn“ (1968) fehlt 2025 schmerzlich. Er wäre das unwiderstehliche Antidot zum haltlosen Hirngespinst einer angeblichen russischen Bedrohung Europas (Verfügbar bis Januar 2026).

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Der Dokumentarfilmer Dietrich Duppel und der Historiker Thomas Schuhbauer widerlegen die zahlreichen Legenden um die Entstehung der Bundesrepublik Deutschland gründlich, umfangreich und aufwändig. Der Anlass des Stücks und der Faden, auf den alles aufgezogen wurde, ist ein Ölbild überm Sofa der Eltern des Historikers und die Geschichte des Bilds, die dramaturgisch tragende Metapher für die These des ganzen Stücks: die Geschichte der BRD ist eine einzige Lebenslüge. Nur die Schlusssentenz dieses großartig gemachten Blicks hinter die Fassaden des Adenauer-Staats gibt Rätsel auf. Wirtschaftlich, soweit ist alles klar, herrschte Lug und Trug. Aber ein Gutes habe sie denn doch gehabt, die Nachkriegszeit: in ihr habe schließlich die Geburtsstunde der Demokratie in Deutschland geschlagen – auch die Legende von der „Demokratie in Deutschland“, so scheint es, harrt ihrer Entzauberung

Im Menü TIEF AUS DEM ARCHIV aus den goldenen Jahren des Freelance-Journalismus: ein Portät Eckhard Henscheids in Essen und Trinken von 1995:

Im Goldenen Löwen in Kallmünz, Herr Henscheid und ich

Das letzte Wort auf meiner Startseite hat ein Bild. Der Metzgersohn Filippo Lippi (um 1406 – 1469) ist neben den anderen Renaissance-Riesen, neben Leonardo, Rafaelo, Boticelli, Tiziano, Michelangelo leicht in den Hintergrund geraten. Unverdient. Er gehört, wenn auch als einer der älteren, dazu^. Wie irdisch, ja wie erotisch das freigelassene rechte Ohr der Madonna. Die Doppelfigur der Madonna mit Kind ist fast grell aus dem Dunkel des Muscheldekors hervorgehoben. Innerhalb beider Figuren überwiegt – zulasten der Plastizität – das Licht die Schatten, der Kontur kommt zum Zug. Aber die deutliche Linie, die beider Köpfe auseinanderhalten soll, trennt nicht. Sie ist Chiffre für ein Zusammengehören. Die kleine linke Hand des Kindes hält sich im Rückentuch der jungen Frau fest, deren Rechte das Kind zugleich trägt und liebkost. Sie ist das Lieblingsmodell des Malers, Lippis Lebensgefährtin (darum das Ohr). Man könnte, noch als Agnostiker, religiös werden angesichts solcher Kunst. Sie enthält – neben ihrer ästhetischen Vollkommenheit – Form gewordene Liebe, Zärtlichkeit, Geborgenheit, Einssein, mithin edelste Menschlichkeit und ergo alles, was haltlose Menschen, so scheint es, der Menschheit zurzeit austreiben und in Vergessenheit geraten lassen wollen. Fra Filippos Arbeit sagt uns noch 600 Jahre später, dass – wie der Kuckuck im Volkslied -, was er da gemalt hat, langlebiger ist als alles, was die Botschaft eines solchen Bildes mit aller Gewalt vernichten will.

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