Ukraine und August 1914

Man kommt in Gedanken immer wieder darauf zurück. 1914. So ungefähr muss es gewesen sein, die Hetze, der Hass, der – heute durchgeschaltet wertebasierte – Propagandapilz in voller Entfaltung. Mit allerdings dem einen, alles entscheidenden Unterschied: es gab 1914 noch keine Atomwaffen. Das heißt, alle konnten mit Begeisterung und ohne Angst vor dem Globalsuizid die einzig gerechte Strafe für so viel Gräuel und Schlechtigkeit aufseiten des Feinds herbeisehnen, der Feind, das waren damals die Serben, die es frech gewagt hatten, den österreichischen Thronfolger zu ermorden; es war vor allem der Franzos‘, er sann ja die ganze Zeit schon auf Rache für „70/71“; und es waren natürlich mal wieder die Russen. Und die einzig gerechte Strafe: der Krieg. Jeder Krieg der neueren Geschichte begann mit einer Hetzkampagne, mit fundamentalen Lügen. Der Feind musste mit allen Mitteln bis hin zu raffinierten Gräuel-Inszenierungen á la Sender Gleiwitz verachtet, gehasst, verdammt sein.

Es waren wenige, die 1914 einen kühlen Kopf behielten. Selbst ein mit Recht als Leuchtturm des bürgerlichen Journalismus geachteter Autor wie Theodor Wolff brauchte zwei Jahre, bis er sich von seiner Kriegsbegeisterung geheilt hatte. Thomas Mann brauchte länger, immerhin: Er schaffte es auf beeindruckende Weise noch im Exil.

Heute sieht es eher aus, als müssten wir auf die Theodor Wolffs und Karl von Ossietzkys, die Alfred Döblins, Erich Maria Remarques, die Hermann Hesses und Brüder Mann lange warten. Heute schallt es uns von überall dröhnend entgegen: „Stimmt ja alles nicht!“ Die freieste Presse, die es je auf deutschem Boden gab, weiß es besser: „Im Unterschied zu 1914“, triumphiert sie, „war es Putin, der, wie 1914 der deutsche Kaiser, den Krieg vom Zaun brach!“

Aber sage niemand etwas gegen die sozialen Medien. Neben allem Schlechten, was sie in Händen schlechter Menschen anrichten, haben sie ihr Gutes in Händen guter Menschen. Ob indes der Schweizerische Oberst Jaques Baud ein guter oder schlechter Mensch ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Er ist ein bürgerlicher Mensch, er hat sich akademisch mit den Ursachen des Krieges beschäftigt und ist als Schweizer Militär für die UNO und für die NATO unterwegs gewesen, unter anderem vier Jahre in der Ukraine. Er hat sich, über die sozialen Medien verbreitet, von einer Schweizer Zeitung interviewen lassen. Und ist – als Bürger eines neutralen Landes, das aus schlechten Gründen auf der russischen Liste „unfreundlicher“ Staaten landete – empört über die westliche Berichterstattung. Was er als exzellenter Kenner der Situation und ihrer Vorgeschichte gegen diese “Berichterstattung” anführt, dürfte in manchen Punkten selbst linke Durchblicker überraschen. Im Ergebnis kommt er zu dem Schluss: Nein, Putins Krieg ist eine Katastrophe wie jeder Krieg, aber er ist kein Angriffskrieg. Er ist ein Verteidigungskrieg gegen eine aggressive NATO, die Russland seit dem Verschwinden der Sowjetunion Schritt für Schritt systematisch eingekreist hat.

Wenn es, neben zahllosen Fakten, eines letzten Beweises dafür bedürfte, wer der Angreifer und wer der Angegriffene ist, dann liegt er in der Antwort auf die Frage: Wo war die große Hetzkampagne vor diesem ukrainischen Krieg? Vonseiten Russlands gab es zwar eine kriegsüblich entschieden einseitige Sicht auf die jeweilige Lage. Aber weder vor dem Krieg, noch in seinem Verlauf waren in den Medien Russlands hasserfüllte Töne in Richtung Gegenseite wahrzunehmen. Stattdessen nur anhaltendes Dringen auf friedliche Lösungen bis zuletzt und noch während des Krieges, alles natoseitig abgebogen. Der Westen dagegen arbeitet seit mehr als einem Jahrzehnt in einer Weise an der Dämonisierung Putins, die von Anfang an auf einen Krieg hin drängte. Wer ist der Angreifer, wer der Angegriffene? Hier der Link auf Jaques Bauds Sicht der Dinge. junge Welt, April 2022

https://zeitgeschehen-im-fokus.ch/de/newspaper-ausgabe/nr-4-vom-15-maerz-2022.html#article_1306

UKRAINE ÜBERALL

BEDÜRFNIS NACH KLARTEXT.HERR PUTIN UND ICH.

DER GROßE SCHWINDEL.

HALBFINALE.BABYN JAR.

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