Ein neues Staatsoberhaupt wurde gewählt. Iran schloss Verhandlungen aus. Auf jeden Airstrike der US-Israelis folgte der Gegenschlag. Die vom Westen zu 80 Prozent als vernichtet gemeldeten Hyperschall-Raketen und Drohnen der Revolutionsgarden – ihre Silos und Arsenale tief in der Erde eines Landes vergraben, dessen Fläche viermal so groß ist wie die der Bundesrepublik – treffen überraschend präzis, chinesische und russische Intelligenz helfen ihnen (GPS gegen Beidu). Die Sperrung der Straße von Hormuz durch den Iran verlagert den Krieg dorthin, woher er kommt: in die Welt der Finanzkonzerne und Rüstungsgiganten. Sie geraten unter Feuer, ihnen wird der Ölhahn abgedreht, der Petrodollar zieht, wenn es an den Kontrollstellen um die Durchfahrtsgebühren geht, gegenüber dem Yuan den Kürzeren. Die Mullahs sind nicht die Erfinder einer solchen Maßnahme. Die erste Sperrung der Straße von Hormuz richtete 1951 die britische Marine ein. Seit 1914 haben die USA mit dem Panamakanal bislang 800 Milliarden Dollar verdient.
In der kubanischen Schweinebucht, in Vietnam, Irak, Afghanistan erlitten die USA schwere Niederlagen; sie haben ihnen nicht das Genick gebrochen. Nun aber spricht der iranische Parlamentspräsident Mohammad Ghalibaf Sätze:
„Wir streben absolut KEINEN Waffenstillstand an. Wir glauben, dass der Angreifer einen Schlag ins Gesicht verdient, damit er seine Lektion lernt und nie wieder auch nur daran denkt, den lieben Iran anzugreifen.”
Folgt man (vom Westen unabhängigen) Experten wie Pepe Escobar, beginnt für den Iran der Krieg erst jetzt. Was hat der Iran in seinen unterirdischen Bunkern und Silos noch aufzubieten an Munition und waffentechnologischer Innovation? Wird er in der Lage sein, den Zionisten aus Israel und den USA eine strategische Niederlage zuzufügen?
Die Welt nach diesem Krieg, so viel ist sicher, wird eine sehr andere sein als jene, die wir ja auch schon kaum kennen.
(…) Am 19. Februar 2026 mehren sich die Zeichen erneut, sie spitzen sich zu. Denn ein chinesischer Flottenverband, erfährt man in unzensierten Medien, ist auf dem Weg nach Fernwest / Nahost. Die deutsche Regierungspresse wacht auf. So seriöse Beschweiger wie der Merkur berichten: „Russland und der Iran haben ein gemeinsames Marinemanöver am Horn von Afrika angekündigt“. Iranische Kriegsschiffe werden neben russischen in Sichtweite US-amerikansicher Flugzeugträger operieren. Niemand weiß, was daraus wird. Sollte sich die mächtige US-Army plus ihres gesellschaftlichen Arms (der Laurence Fink-Clinton-Trump-Thiel-Epstein-Society) durchsetzen, droht das weltpolitische Chaos. Zentralasien, der weltgrößte Kontinent, stünde in Flammen. Deutsche Eltern mit Kindern bei der Bundeswehr müssen mit deren Einsatz in blutigen Auslandseinsätzen im asiatischen Osten rechnen. Ob die USA obsiegen werden, steht in den Sternen nicht mehr ihrer Flagge. Trump spielt Russisch Roulette mit der Welt. Zwei Realexperten zur Situation (beide in Englisch). Neben Crooke kommt Larry Johnson zu Wort, ein ehemaliger CIA-Mitarbeiter, heute ein gefragter politischer Kommentator in den internationalen Alternativmedien. Am 26. Februar kommt Johnson auf der Plattform von Judge Napolitano zu Wort. Thema die brandaktuellen Fragen zu Iran und zum neuesten Langstreckenraketen-Angriff der Ukraine auf eine echte und ernste russische Problemzone. Die Ukrainer stellten für diesen weiteren, das Überleben der Menschheit aufs Spiel setzenden Eskalationsversuch von CIA und MI6 erneut nur ihre Absenderadresse zur Verfügung, alles andere erledigte der freie Westen.
STANDORT Februar 2026 – Dr. Wohlers – (C) Stefan Siegert
St. Georg ist ein alsternaher, von alter Architektur und dunkel vielgesichtigen Innenhöfen geprägter Hamburger Stadtteil. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs mischte sich hier die alteingesessene Bevölkerung, Handwerker, kleine Beamte, Ladenbesitzer, zwanglos mit Künstlern, Schauspielern vom Schauspielhaus, Intellektuellen, Studenten. Es entstand ein atmosphärisch interessantes Gemisch aus Arbeit, Alltag und Kreativität, ein Stadtteil mit Alsterblick.
Beginnend in den Nullerjahren wurde nun allerdings auch dieser Stadtteil, von der – -Vergebung – – dissozialen Seuche einer kulturbarbarischen Wirtschaftslogik namens „Neoliberalismus“ erfasst. Dessen „marktradikale Handlungsimpulse“ erwischten 2012 auch den Buchladen „Dr. Robert Wohlers“ in der Langen Reihe 68. Ein ganz gewöhnlicher Hausbesitzer hatte den für ganz gewöhnliche Hausbesitzer offensichtlich zwingenden Gedanken: dermaßen viele Quadratmeter, in bester Lage, mit repräsentativer Originalfassade, gusseiserne Löwenköpfe am Eingang inclusive – und das alles gefüllt mit ein Paar läppischen Büchern und etwas so prickelnd Neuem wie ein Antiquariat? Er trieb die Miete schlagartig in Höhen, bei denen er sicher sein konnte, sie würden für den armen Wohlers „nicht mehr darstellbar“ sein. Wir Bürgerinnen und Bücherfreunde gingen auf die Straße. Die Lange Reihe war für eine Stunde dicht, die Polizei stand friedlich dabei. Eine Welle der Sympathie und Solidarität schlug über Jürgen Wohlers zusammen. Wir marschierten zum Büro des geldgeilen Bücher-Verkenners und Kulturbarbaren, wir beschimpften ihn megaphonisch aus allen Rohren. Aber dieses Land und sein Rechtssystem, das muss man zugeben, wurden nicht fürs Volk erfunden, schon gar nicht für Buchladenbesitzer. Beide gelten ganz oben erkennbar eher als störend.
Es fand sich aber medientauglich ein „Immobilienmogul“, der dem armen Wohlers in letzter Minute einen wesentlich kleineren Eckladen am Ossietzky-Platz zuwies. Vonwegen, die Hausbesitzer sind alle einfach nur scharf auf Höchstrendite. Es gibt auch noch andere. Dagegen, dass diese, so sie das überhaupt wollten, irgend etwas an der für Schlechterverdienende katastrophalen Situation auf dem Wohnungsmarkt ändern, spricht allerdings die zunehmende Zahl reich ausgestatteter Allwetter-Rentner, die sich per Eigentum in St. Georg ein interessanteres Alter herbeizusehnen scheinen. Wohlers neue Adresse von 2014 bis 2026: Lange Reihe 38.
Auch dieser Laden, obgleich erheblich kleiner im Innern wie in der Fensterfront, hatte seinen Wohlerschen Charme und war wiederum architektonisch ein Hingucker. Ein Altbau. Im Glas der Fenster zum Platz hin spiegelte sich im Sommer das Grün der alten Bäume am Markt und an der Langen Reihe. Überm Eingang eine alte gelbe Laterne. Zufällig ist eine von mir gesundheitshalber für längere Zeit anzusteuernde Arztpraxis im vornehmen Westen Hamburgs platziert. Ich fuhr also öfter mit der S-Bahn nach Othmarschen. Es liegt auf der Strecke nach Blankenese. Dort wohnte Jürgen Wohlers, als er noch lebte, ich nehme an, eine vererbte Immobilie, die Miete bestand allein in der Bildung von Rücklagen für die Erhaltung des alten Hauses. Ich begegnete ihm also wiederholt in der Bahn, ohne dass er mich bemerkte. Er trug sommers wie winters seinen wie eine alte wärmende zweite Haut wirkenden mittelgrauen Tweed-Sakko, ein dunkleres Oberhemd drunter. Er zog den Kopf ein wenig zwischen die Schultern beim Gehen und schaute, schien mir, blicklos leicht nach unten vor sich hin. Auch auf seinem Weg vom Bahnhof zum Laden oder andersherum bin ich ihm öfter begegnet. Auch im Strom der Fußgänger war er einer, der lieber für sich zu sein schien, der mit seinen Gedanken und nicht so sehr mit der Welt beschäftigt sein wollte. Mit dem wichtigen Zusatz allerdings, dass er sein Fürsichsein an frischer Luft nach meiner Erinnerung eigentlich nie zelebrierte, ohne dass zwischen Zeige- und Mittelfinger der Rechten eine Filterzigarette qualmte.
Die für ihn charakteristische Insichgekehrtheit in der Öffentlichkeit könnte seine Methode gewesen sein, den psychischen Aufwand, die Kraft, welche die Arbeitszeit erforderte, nach innen hin auszubalancieren. Denn betrat man seinen Laden, wandte er sich vom Computer ab und nahm offen, sehr freundlich und aufmerksam alle Wünsche entgegen; er war für spitze Bemerkungen über diesen und jene Literatin empfänglich, er hielt sich mit eigenem zurück. Er bot lediglich ein Bühnenbild aus Bücherwänden und sein geneigtes Ohr.
Auf seine Art war er ein literarischer Seelsorger, ein geistiger Streetworker. So wird er uns bleiben noch in fernen Zeiten, wenn das Wort „Miethai“ wenn überhaupt mit Verachtung erinnert wird, das ist tröstlich. Mir bleibt das Bild, das er an Morgenden bot, an denen ich schlaftrunken, nach Überquerung der meist leeren, nur an Donnerstagen und Freitagen – und sonst nur am Nachmittag von vor der Schule wartenden Eltern – genutzten Marktfläche, auf dem Weg zum Bahnhof, auf der Ecke zur Langen Reihe an seinem Ladeneingang vorbeikam. Der kleine Mann im grauen Sakko, in zerschlisssener Jeans, die grauen Haare leicht zauselig, vor seiner Ladentür. Einer der letzten Mohikaner des untergegangenen Bildungsbürgertums. Er zündet sich die Pausen-Zigarette an, die er im Laden nicht rauchen darf, er pafft und schmunzelt, er ist im besten Sinn liebenswürdig. Obwohl wir uns, über unsere Rollen als Buchhändler und Kunde hinaus, überhaupt nicht kannten, werde ich den Eindruck nicht los, dass wir einander im Vorbeigehen an Morgenden wie dem erwähnten in der Gewissheit grüßten, wir wären zuverlässige Verbündete. Ich weiß nicht, wie es ihm mit mir gegangen ist. Mir ging es mit ihm so, dass sein Vorhandensein für mich immer irgendwie etwas Tröstliches hatte.
(…) Nun nennt der Text in der Überschrift zu den drei Absätzen über die Verbindungen des „Epstein-Netzwerks“ mit Moskau aber nicht mehr Putin als Adressaten, sondern Russland. Bevor im letzten Absatz die Katze aus dem Sack gelassen wird, schickt der DLF für zwei Absätze einen Spiegelreporter vor:
Daniel Laufer macht im DLF-Beitrag zur aktuellen Flut neuer Epstein-Dokumente zunächst klar, wie aufreibend es für einen richtigen Investigativreporter ist, herauszufinden, was seit Jahren ohnehin alle wissen: Jeffrey Epstein war ein „begnadeter Netzwerker“. Aber statt uralter Erkenntnisse wollen die Leserinnen eine Antwort auf die Frage: gehört nun auch Putin zu den Vernetzten? Ist er ein Pädophiler? Man ist auf den letzten Absatz gespannt. Er müsste den realen Kern der Geschichte aufdecken. Auf welche belastbare Quelle geht diese ganze Epstein-Putin-Geschichte überhaupt zurück? Daniel Laufer weiß es (seine Geheimdienstquellen sprudeln nicht nur, sie glauben auch):
Irgend jemandem in der DFL-Textredaktion muss irgendwann aufgefallen sein: der in der Überschrift so unübersehbar mit Epstein in Verbindung gebrachte Putin, kommt in den ersten zwei Absätzen der Spiegel-Inverstigativ-Aktion überhaupt nicht vor. Selbst in den wie koksgenerierten Erfindungen der Daily Mail als der einzigen Quelle von so viel Blödsinn ließ sich Putin offenbar erst in den letzten zwei Zeilen schlecht unterbringen. Irgendwelche Emails, die ein Treffen zwischen Epstein und Putin „belegen“ sollen, sind als Beweis deutlich zu dünn, da mussten dann noch „1056 Dokumente“ her, „in denen Putin namentlich erwähnt wird“. Wie viele Themen und Zusammenhänge gibt es wohl, irgendwo in der Welt anlässlich einer privaten oder dienstlichen Äußerung und nicht mit dem Schatten eines Gedankens an Jeffrey Epstein im Kopf den Namen des global bekannten Politikers Putin zu erwähnen? Die Lösung für die Redaktion bestand dann offenbar, darin, den Putin nach kurzer Zeit aus der Überschrift zu streichen. Der ganze Aufwand von Daily Mail über Donald Tusk bis Spiegel und Co galt gleichwohl allein dem Ausbau von Putins monströsem Zerrbild. Ihnen war es am Ende offensichtlich zu billig, sie löschten Putin aus der Titelzeile (mein Screenshot erfasste noch die Originalversion). Alles andere unverändert.
Der Deutschlandfunk hält gleichwohl sein Publikum (von Deutschlandfunk und Co.) für durchweg hinreichend verblödet, eine gedankenlos zusammengelogene UK-Zeitungsgeschichte, bemurmelt von „den“ Geheimdiensten und beglaubigt von einem echten Investigativreporter, zu glauben. Epstein und Putin in einer Schlagzeile. Irgendwas davon, predigte schon Joseph Goebbels, wird schon hängenbleiben. Es wird Zeit für bessere Traditionen.
(…) Der Deutschlandfunk zeigt, wie man das macht. Bis auf die Mitteilung, „Details zu den mutmaßlichen Verfehlungen wurden nicht genannt“, ist im ersten Absatz alles korrekt. In der nachgeschobenen Mitteilung allerdings riecht es schon merklich nach West-Verdacht auf in Wirklichkeit nicht vorhandene „Verfehlungen“.
Am zweiten Absatz ist einzig der erste Satz eine Nachricht. Vom zweiten an geht‘s in die Vollen, „Beobachter“ kommen ins Spiel. Wer immer sie sind: sie ersetzen die Fakten. Ausgerüstet mit Batterien erfundener Behauptungen, besetzen solche Beobachter die Talkshows. Und dürfen unwidersprochen, wann immer sich etwas in der Personalpolitik der chinesischen Parteiführung oder Regierung ändert, hemmungslos von „Säuberungsaktionen“ schwadronieren. Dass politische Führer in Regierungsverantwortung in zugespitzt neuen Konstellationen ihre Reihen ordnen, auch in persönlichen Machtkämpfen, gehört seit 200 Jahren global zur politischen Normalität. Wenn allerdings die Spitze der chinesischen Meritokratie in Partei und Regierung seit Jahren öffentlich immer wieder hervorhebt, die Korruption sei seit Jahrhunderten ein großes Problem für dieses Land, wenn sie offen dagegen vorgeht – kann es sich dabei nur um Säuberungsaktionen handeln. Um etwas Illegales mithin, weil in westlicher Wahrheit nicht ein Reinigungsprozess vollzogen wurde, sondern Mitmenschen wie Ungeziefer behandelt.
Unbegreiflich, dass den Leuten, die so etwas in die Welt setzen seit es den Westen und seine zu Feinden erklärten Konkurrenten gibt, nicht langsam die Decke auf den Kopf fällt. Seit Jahrzehnten immer die gleichen Features und Phrasen. Wie lange wird sich das greinende Volk, nach Heinrich Heine, auf diese Weise noch einlullen lassen? Das Narrativ von den geknechteten Völkern, die (von außen gut mit Geld und Waffen versorgt) gegen demokratisch gewählte aber eben – sorry – „autoritäre“ Regierungen auf die Straße gehen, wurde zum Drehbuch für US-Regime-Change-Aktionen von Jugoslawien bis Beijing und Venezuela.
Der unbewaffnete Chinese im weißen Hemd mit den leichten zwei Beuteln rechts und links wurde zum Symbol. Er schwenkt die Beutel, um der Panzerbesatzung zu sagen: es ist nichts Gefährliches darin. Er weicht dem Panzer nicht aus, der auf ihn zurollt. Der Panzer hält vor ihm an. Ob dieser bis heute Unbekannte davon gewusst hat, dass alles um ihn herum aus den Geheimdienst-Kellern der US-Botschaft gespannt verfolgt wurde? Aber: „30 Jahre nach dem Massaker denkt Peking nicht daran, die Vorgänge neu bewerten zu wollen“, stellt der Wiener Standard fest. „Die heutige Führung ist nicht bereit, die Untaten ihrer Vorgänger aufarbeiten zu lassen“. Abgesehen davon, dass die chinesische Führung nicht nur nicht daran denkt, „die Vorgänge neu bewerten zu wollen“, sie bewertet sie tatsächlich nicht neu, denn sie hat keinen Grund dafür – die Vorgänge vom Tiananmeng sind mit Sicherheit nirgends so intensiv diskutiert und abschließend bewertet worden wie in der chinesischen Führung.
Und wann hätte eine der westlichen Regierungen – die seit Jahrzehnten den Weltschulmeister geben und die Länder der Welt mit der Einforderung von Menschen- und Völkerrechten nerven -, wann hätten sie je „die Untaten ihrer Vorgänger aufarbeiten“ lassen?
Es muss Anfang der Nullerjahre gewesen sein, da lief eine großartig recherchierte BBC-Doku von 90 Minuten auf arte, eine wahrhaft objektive Erzählung des Geschehens auf dem Platz des himmlischen Friedens. Alle Seiten der Krise kamen ins Bild. Die rebellischen Studenten, die gleichaltrigen Soldaten, Vertreter von Partei und Regierung, nichtkommunistische, der Führung wohlgesonnene aber distanziert urteilende Unternehmer, unabhängige chinesische Analysten. Die Rolle der US-Botschaft wurde beschrieben (damals gab es Wikileaks noch nicht).
Die chinesische Führung zögerte extrem lange, bevor sie handelte. Sie hat im Vorfeld wiederholt die Sprecher der Studenten ins Gespräch gezogen. Ich traute damals meinen Augen nicht: Gegen Ende der Vorgeschichte wurde eine vom staatlichen chinesischen Fernsehen live (ohne Zeitversetzung) gesendete Diskussion zwischen Mitgliedern der Staatsführung und den Wortführern der Studenten ins Programm gesetzt. Sieben Stunden emotionaler, offener, kontroverser Auseinandersetzung. Die Studenten bewegten sich nicht. Was immer sich am 4. Juni 1989 im Zentrum Beijings an Einzelheiten abspielte, die alle menschlich Fühlenden mit Trauer erfüllen – ein „Massaker“ im Sinn eines bewusst herbeigeführten Massenmords war es nicht. Kein chinesischer Soldat hat, wie wir es in den USA zurzeit wieder im Terror der ICE erleben – ohne dass Tagesschau & Co viel Aufhebens darum machen – auf dem Platz des himmlischen Friedens auf Landsleute geschossen, als wären sie Kaninchen.
Die chinesische Führung unter Deng Xiao Ping hat mit ihrer wohlüberlegten Reaktion damals ein Weltchaos verhindert, das ein gelungener US-Regime Change in der Volksrepublik unweigerlich zur Folge gehabt haben würde. Die BBC-Doku darüber war ein Meisterstück kritischer Objektivität. Wie im Vereinigten Königreich Großbritannien, gehört so etwas auch in der Bundesrepublik längst der Vergangenheit an. Ich habe in den Suchmaschinen des Internets anno 2026 sehr lange nach der BBC-Doku und überhaupt nach einer einzigen authentischen chinesischen Darstellung der Tiananmen-Tragödie gesucht. Vergeblich.
In der Sendereihe findet sich auch nach Kestings Ausscheiden in der Literatur Bemerkenswertes. In einem Text zum 70. Todestag Thomas Manns (Kestings Spezialstrecke) fand ich ein heute seltsam aktuelles Rede-Zitat.
„Einst zogen deutsche Ritter in weite Fernen, um für das Ideal ihres Glaubens zu streiten. Heute kämpfen unsere Soldaten in der Unendlichkeit des Ostens, um Europa vor der Vernichtung zu bewahren.“
Der Ton wäre zu pathetisch heute. Aber der Kerngedanke – auch wenn deutsche Soldaten auch 2025 ff. nimmermehr in die Unendlichkeit des Ostens vordringen werden – ist hochaktuell. Denn der Feind steht wieder im Osten. Er bedroht uns wieder. Und irgendwann werden wir um 5 Uhr 45 erneut zurückschießen und Bombe (auf die Ukraine) mit Bombe (auf den neuen Erbfeind) vergelten müssen, um Europa vor Russland zu retten. Eine skurril aktuelle Konstellation. Das Zitat oben stammt aus Joseph Goebbels‘ berüchtigter Sportpalastrede vom 18. Februar 1943, dem Versuch des Reichspropagandaministers, sich gegen die tiefenmoralischen Folgen der soeben erfolgten katastrophalen Niederlage des preußisch-deutschen Militarismus in Stalingrad zu stemmen.
Die Episode mit der Mutter erzählt er in einem DokFilm von 1961 der Journalistin Renate Lasker-Harpprecht. Bevor sie ihn nach den Vorbereitungen des zwei Jahre später eröffneten Auschwitz-Prozesses fragt, bringt sie ihn dazu, von seiner Kindheit in der Zeit des Kaiserreichs zu erzählen. Ein selten lockerer und lebensfroher Mensch zeigt da kettenrauchend, wie farbig, präzis und voller Witz und Esprit er zu erzählen weiß.
Der Erste Weltkrieg begann am 14. August 1914, Fritz Bauer war elf. Die Familie, seit er denken konnte, war in den Sommerferien im Juli jedes Jahr nach Belgien ans Meer gefahren. Nun platzte in den Juli 1914 hinein das Attentat auf den österreichischen Thronfolger in Sarajewo. Die Welt hielt den Atem an. Nur Vater Ludwig Bauer, Textilfabrikant, war der Meinung, niemandem sei geholfen, wenn Familie Bauer nicht wie gewohnt Juli/August in die Ferien nach Belgien fahre. Drei riesige Koffer mit allem, was man in den Ferien braucht begleiteten sie bis an den Rand des Ärmelkanals. Die Ferien endeten in dem Moment, als der Vater plötzlich hochroten Kopfs hereinkam: Es ist Krieg! Mit dem nächsten Zug zurück ins Reich, die Koffer mussten in der Eile in Belgien bleiben. Aber Vater Bauer war optimistisch: unsere starken Armeen werden, wenn nicht gleich ganz Belgien, so doch wenigstens unsere Koffer zurückerobern.
(…) Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten, sagte Bert Brecht in den Zeiten des noch ungebremsten Siegeszugs der Nazi-Armeen bis Stalingrad. Wir Nachgeborenen drohen erneut in jener Flut unterzugehen, aus der Brecht uns utopisch schon aufgetaucht sah. Heute ist die gewesene Sowjetunion als einziger Gegner der transatlantischen Übermacht der Vergangenheit schwach im Vergleich: denn im globalen Süden und Osten des Erdballs organisiert sich im Geschwindschritt die Gegenbewegung einer großen Weltmehrheit. Allerdings weiß niemand, ob sie – informationstechnologisch und finanzstrategisch – rechtzeitig so einig und stark sein wird, dass sie dem US-Leviathan in den Arm fallen könnte.
Mit 26 Jahren war Bauer ab 1929 in Braunschweig der jüngste Landgerichtsrat der Weimarer Republik. Im Oktober 1933 verschwand er im Rahmen des terroristischen Warnschusses der Nazis gegen alle kritischen Geister für acht Monate in den KZ Heuberg und Oberer Kuhberg. Er war als Jude doppelt gefährdet und zog sich mit seiner Familie 1936 nach Dänemark zurück. Von dort entkam er den NS-Häschern, als diese im April 1940 Dänemark besetzten, in letzter Minute per Boot über die Ostsee nach Schweden.
Das Nachkriegsdeutschland – in das er mit der Absicht zurückkehrte, dort einen deutschen Staat aufzubauen, der endlich Frieden macht mit der Welt – enttäuschte seine Erwartungen. Die Bundesrepublik erwies sich als Fortsetzung des Vorgängerstaats mit anderen Mitteln. Das Reichssicherheitshauptamt als noch von Reinhard Heydrich erdachte Schaltzentrale der NS-Gewaltherrschaft hatte sich mit US-amerikanischer Hilfe im tiefen Staat Konrad Adenauers, Hans Globkes, Reinhold Gehlens klammheimlich „demokratisiert“. Dem berühmtesten Ausspruch Fritz Bauers zufolge habe er, sobald er sein Dienstzimmer verließ, Feindesland betreten.
Er trotzte dem Staat der alten Nazis den Frankfurter Auschwitz-Prozess ab. Er sorgte dafür, dass der Widerstand, auch der physische, gegen einen Verbrecherstaat grundsätzlich zu den verbrieften Rechten jedes Mitglieds einer demokratischen Gesellschaft gehört. Er wirkte in Zusammenarbeit mit dem israelischen Mossad an der Ergreifung Adolph Eichmanns mit. Mit der ganzen Autorität des hessischen Generalstaatsanwalts, als der er nach dem Krieg bundesweit bekannt war, plädierte und wirkte er als Jurist strukturell dafür, im Fall etwa eines Diebstahls den sozialen Ursachen des Delikts nachzugehen, anstatt es zum Anlass komplizierter logischer Gedankenketten zu machen, die mit den betroffenen Menschen nichts mehr zu tun haben.
Die moralische Statur Fritz Bauers ist weder mit der bewährten Antisemitismuskeule, noch mit dem Traumtänzer-Schmäh wegzucanceln. Noch der vor 58 Jahren Verstorbene bleibt verlässlich unterm Radar ulfposchardtscher Wokeness. Vor dem Hintergrund der Neujahrsansprachen des staatsoffiziell moralischen deutschen Wachsfigurenkabinetts wirkt er wie ein Donnerschlag. Seine Erscheinungsweise – nur auf dem Podium ohne brennende Zigarette – grollt im Brustton wie aus der Spätromantik herüber.
Als Bauer, gerade zur Schule gekommen, seine Mutter fragte, wer Gott sei, antwortete sie, das könne sie ihm nicht sagen (denn sie wisse es nicht). Aber was sie ihm mitgeben wolle, das sei ihr Leitspruch: Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg‘ auch keinem andern zu. Er hat als Jurist sein Leben bis ins Große danach ausgerichtet. Fritz Bauer war der letzte Kantianer. Er ist 1968 unter äußerst fragwürdigen Umständen verstorben. Man wird über diese Umstände in dem Moment genaueres wissen, in dem die Geheimdienstakten dieser Zeit zugänglich sind.
„Für die konkrete Geheimdienstakte über Fritz Bauer ist öffentlich nur bekannt, dass sie gesperrt ist; eine exakte Sperrfrist oder ein verbindliches Datum der Öffnung wurde nicht allg. mitgeteilt“, stellt Dieter Schenk fest, ehemaliger Mitarbeiter des BKA, Publizist und Professor. „Realistisch ist wegen der langen Fristen für Nachrichtendienstunterlagen eher von einer möglichen Öffnung, viele Jahrzehnte nach seinem Tod (…) auszugehen; ein genauer Termin lässt sich derzeit nicht seriös nennen, zumal individuelle Verlängerungen und Verkürzungen möglich sind.“
Wie lange die Akten gesperrt sind, entscheidet ergo die gleiche Sorte Beamte wie jene, die sie angelegt haben. So vermodern Akten für Ewigkeiten in den Archiven der Konrad Adenauer Stiftung, die Auschwitz-Ermöglicher wie den Staatssekretär Hans Globke, Adenauers rechte Hand, das Genick hätten brechen müssen. Stattdessen brachte es Hans Maria Globke zum personalpolitischen Oberstrippenzieher und Mitmachthaber der frühen BRD. Bauer hatte mächtige Feinde, nicht nur unter den regierungsamtlichen und verbeamteten Altnazis. Es stellt der liberalen Demokratie ein rabenschwarzes Zeugnis aus, wenn sie derart hermetisch dafür sorgt, dass Massenmörder in Staatsdiensten mit Sicherheit zu Lebzeiten unbehelligt bleiben und straffrei Karriere machen können, derweil andere dafür sorgen, dass willensstarke und juristisch exzellente Anti-Nazis überraschend aus dem Leben scheiden.
Der Kampf gegen den überlebenden Ungeist – Brechts immer noch fruchtbaren Schoß der Vergangenheit – war Fritz Bauers Sache. Er wäre, ginge es um Propheten des Auswegs aus der tiefen Krise, in der Europa steckt, im Januar 2026 der Mann der Stunde für eine Neuausrichtung.
Trump ist dabei, die als Folge der Kriegsschrecken nach 1945 entstandene internationale Ordnung in ein aus US-Vasallen bestehendes Privatkabinett, einen erlesenen „Sicherheitsrat“ unter Trumps Vorsitz zu verwandeln. Aus UNO wird DTO, eine Donald Trump Organisation. Sein größter Propaganda-Erfolg: Trump und seine global arbeitende Medienmaschine machen die Westwelt glauben, er sei der mächtigste Mann der Welt. Wenn er weg ist, und das kann bald sein, sagt der frühere britische Diplomat, Politikberater bei der EU und heutige Analyst Alastair Crooke kommt ganz schnell der Nächste dran. Kandidaten aus dem laufenden President-Casting für die nächsten Wahlen haben die US-Eliten stets in der Pipeline. In einem Gespräch auf Glenn Diesens Kanal (in engl.) lässt Crooke wissen: die MAGA-Leute und die America first-Protagonisten sind zerstritten; die alte Garde der Republikaner will Trump loswerden, Streitpunkt: Israel und US-Amerikas immer drückendere Finanzprobleme.
Im Verlauf des Gesprächs taucht, unter enorm vielen anderen Namen aus dem Iran, aus Syrien, aus Katar, der Name Diostado Cabello auf, es könnte sein, dass man von ihm noch hören wird. Ein kompakt sportlicher venezolanischer Manager und Militär, der unter Maduro Innenminister war und zusammen mit kubanischen Spezialisten den venezolanischen Geheimdienst aufbaute. Er war längere Zeit im Ausland. Jetzt, so Crooke, ist er zurück. Und mittendrin. Aus seiner Perspektive könnte der Ende 2025 angelaufene Kolonialkrieg der USA gegen den südlichen Subkontinent die Formen eines kontinentalen Befreiungskriegs annehmen.
Ein Donnerwort geht dieser Tage durch die Qualitätspresse. Das russische Wort für „Haselnuss“ beunruhigt von Bild bis Tagesschau alle. Eine russische Mittelstreckenrakete des Typs „Oreshnik“ hat in der Nacht vom 8. auf den 9. Januar 2026 im Rahmen eines Großangriffs der Russen einen Angriff auch auf ein für die Energieversorgung der ukrainischen Waffenindustrie und des Militärs kritisches unterirdisches Gaskraftwerk südlich von Lwiw ausgeführt. Erfolgreich. Es lässt sich nicht länger verheimlichen: die Russen verfügen über eine Wunderwaffe, die, im Unterschied zu den „Wunderwaffen“ der Begriffserfinder, den Namen verdient. Alle sind überrascht oder tun wenigstens so. Dabei hat Wladimir Putin die Welt bereits im November 2024 auf diese Waffe und ihre Eigenschaften detailliert aufmerksam gemacht. Ich habe damals darüber geschrieben.
Was die 1958 in Brüssel geborene Niedersächsin derzeit mittels der zum Großteil in Belgien eingefrorenen russischen Zentralbankvermögen, rund 185 Milliarden, zu tun gedenkt, wäre vieles auf einmal: Völkerrechtsbruch, ein Bruch des bisher geltenden Regelwerks internationaler Fianzbeziehungen, juristisch wäre es schwerer Raub, last but not least, bedeutete es den Verlust des internationalen Vertrauens in die Verlässlichkeit einer Europäischen Union. Eine niedersächsische Variante politischen Amoklaufs.