(…) Nun nennt der Text in der Überschrift zu den drei Absätzen über die Verbindungen des „Epstein-Netzwerks“ mit Moskau aber nicht mehr Putin als Adressaten, sondern Russland. Bevor im letzten Absatz die Katze aus dem Sack gelassen wird, schickt der DLF für zwei Absätze einen Spiegelreporter vor:


Daniel Laufer macht im DLF-Beitrag zur aktuellen Flut neuer Epstein-Dokumente zunächst klar, wie aufreibend es für einen richtigen Investigativreporter ist, herauszufinden, was seit Jahren ohnehin alle wissen: Jeffrey Epstein war ein „begnadeter Netzwerker“. Aber statt uralter Erkenntnisse wollen die Leserinnen eine Antwort auf die Frage: gehört nun auch Putin zu den Vernetzten? Ist er ein Pädophiler? Man ist auf den letzten Absatz gespannt. Er müsste den realen Kern der Geschichte aufdecken. Auf welche belastbare Quelle geht diese ganze Epstein-Putin-Geschichte überhaupt zurück? Daniel Laufer weiß es (seine Geheimdienstquellen sprudeln nicht nur, sie glauben auch):

Irgend jemandem in der DFL-Textredaktion muss irgendwann aufgefallen sein: der in der Überschrift so unübersehbar mit Epstein in Verbindung gebrachte Putin, kommt in den ersten zwei Absätzen der Spiegel-Inverstigativ-Aktion überhaupt nicht vor. Selbst in den wie koksgenerierten Erfindungen der Daily Mail als der einzigen Quelle von so viel Blödsinn ließ sich Putin offenbar erst in den letzten zwei Zeilen schlecht unterbringen. Irgendwelche Emails, die ein Treffen zwischen Epstein und Putin „belegen“ sollen, sind als Beweis deutlich zu dünn, da mussten dann noch „1056 Dokumente“ her, „in denen Putin namentlich erwähnt wird“. Wie viele Themen und Zusammenhänge gibt es wohl, irgendwo in der Welt anlässlich einer privaten oder dienstlichen Äußerung und nicht mit dem Schatten eines Gedankens an Jeffrey Epstein im Kopf den Namen des global bekannten Politikers Putin zu erwähnen? Die Lösung für die Redaktion bestand dann offenbar, darin, den Putin nach kurzer Zeit aus der Überschrift zu streichen. Der ganze Aufwand von Daily Mail über Donald Tusk bis Spiegel und Co galt gleichwohl allein dem Ausbau von Putins monströsem Zerrbild. Ihnen war es am Ende offensichtlich zu billig, sie löschten Putin aus der Titelzeile (mein Screenshot erfasste noch die Originalversion). Alles andere unverändert.
Der Deutschlandfunk hält gleichwohl sein Publikum (von Deutschlandfunk und Co.) für durchweg hinreichend verblödet, eine gedankenlos zusammengelogene UK-Zeitungsgeschichte, bemurmelt von „den“ Geheimdiensten und beglaubigt von einem echten Investigativreporter, zu glauben. Epstein und Putin in einer Schlagzeile. Irgendwas davon, predigte schon Joseph Goebbels, wird schon hängenbleiben. Es wird Zeit für bessere Traditionen.

