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9. Oktober 2026

Fußballer für Klopp-Fußball gesucht.
„Seinen Fußball hat Klopp schnell bei der deutschen Nationalmannschaft eingeführt. Nach mäßigem Erfolg in der Champions League beginnt die Suche nach den Fußballern, die am besten dazu passen. Kompromisse sind nicht zu erwarten.”
Die Redaktion von sportschau.de (Zitat oben) ist normalerweise nicht – wie der deutsche Qualitätsboulevard – auf Krawall und Konflikt gebürstet, wenn einer was anders macht als gewohnt und festgelegt. Der unter Überschrift und Vorspann zu lesende Sportschau-Fließtext war in Ordnung. Aber Überschrift und Teaser sind wie von zweiter Hand entworfen. Da macht sich ein differenter Typ Journalist kenntlich. Kein eifriger, der Wahrheit verpflichteter Rechercheur, kein Spezialist für exakte Extrakte längerer redaktioneller Texte. Eher jemand mit Sinn für Subtexte, in denen man in drei Sätzen unerkannt seine Aversionen loswerden kann, auch wenn sie ins redaktionelle Umfeld nicht passen.
Als ich die zitierten Zeilen am 1. Oktober verlinken wollte, waren sie nicht mehr zu finden. Stattdessen ein gutes Interview zum Thema Klopp mit dem Kenner Holger Dahl. Ich bleibe bei dem mir ins Auge gefallenen schlechten Beispiel für einen Journalismus, der mir nicht gefällt; sportschau.de hat, wenn ich nicht irre, das Stück inzwischen zurückgezogen (Ich finde es nicht mehr). Wer diese Überschrift, diese drei Sätze geschrieben hat, braucht für seinen Beruf offenbar keine, sich widersprüchlich entwickelnden Tatsachen, keine Abwägungen. Er braucht Fixsterne, ein gut geframtes Firmame; er findet sich in Hierarchien zurecht und hat gelernt, zwischen Wording und No go zu unterscheiden, kurz: er weiß, wie man vorwärts kommt. In summa haben wir in ihm den digitalen Monarchisten vor uns, den Untertan 2.0 in der Sparte Journalismus. Das Modell Klopp war diesem Typus von Anfang an suspekt. Das Einzige, was er an Klopp gut findet, ist dessen unbestreitbarer Riesenerfolg. Alles andere ist bei solchen Leuten in Geltung nur, solange Klopp liefert.
Ihre Sonne, das war der „Kaiser“. Er lieferte, er wärmte, seine Zuneigung war folgsam und einträglich für beide Seiten. Er war 1974 Kopf der deutschen Weltmeister-Elf; er wurde 1990 ihr Weltmeister-Trainer. Er holte – 32 Jahre nach dem letzten deutschen WM-Ereignis – anno 2006 die nächste WM ins Land. Als herauskam, wie er das mit der WM eingefädelt hatte, fanden sie es nicht mehr so spannend. Sie können auch kleinlaut.
Aber blöd sind sie nicht. Ganz einfach, müssen sie sich gesagt haben: wir bauen den Heiland Klopp so megamäßig auf, dass selbst der Heiland selbst den von uns geweckten Erwartungen nicht gerecht werden könnte. Mal sehen, wie er damit klarkommt? Sollte Klopp es wider Erwarten schaffen, freuen wir uns natürlich lauthals mit, kein Problem; wir haben nichts zu verlieren in der Nummer.
Der Klopp-Hype war gigantisch. Einem normal Empfindenden konnte Angst und Bange werden für den armen Fußballlehrer aus Nordbaden. Was für ein verzehrend gleißender Erwartungshorizont überstrahlte ihn! Wie ging Klopp damit um?
Er gab ihnen in der legendären ersten PK seiner Amtszeit als Bundestrainer die Spielregeln vor: Mit mir nicht so, wie in Deutschland mit Julian Nagelsmann, in Großbritannien mit Thomas Tuchel. Ich behandle euch fair, ihr behandelt mich fair. Haltet ihr euch nicht dran – „bin ich weg.“ Was sie zum Beispiel an ihm überhaupt nicht mögen, ist, dass er sowas mit Sicherheit ernst meint.

Im Umgang mit ihnen ist er seitdem freundlicher. Während der Trainingsphasen zwischen den vier Spielen und vor und nach den Wettbewerben ging er verschwenderisch mit Interviewterminen um. Er hat seine ganz eigene Weise, ihnen die Zähne zu zeigen, sie ist sein USP.
Aber die Meute lässt nicht locker. Die vier Spiele sind vorbei. Vier Punkte aus vier Begegnungen, das ist nicht viel, „wir“ sind Vorletzter in der Gruppe. Bastian Schweinsteigers fataler Satz vom „Mittelmaß“, in dem wir mittlerweile (nach dem verlorenen Griechenland Spiel) angekommen seien, schlug ein, wie eine Art Maso-Bombe.
Da klingt die Sportschau-Überschrift „Fußballer für Klopp-Fussball gesucht“ doch nachgerade wie ein Hilferuf. Im eingangs zitierten Vorspann heißt es dazu:
„Nach mäßigem Erfolg in der Champions League beginnt die Suche nach den Fußballern, die am besten dazu passen.“
Darauf muss man kommen: Nach dem Misserfolg in der Nations League, so kann man das lesen, muss man nach den Fußballern geradezu suchen, die noch Klopp-Fußball spielen wollen – aber halt. Ist Jürgen Klopp denn wohl mit der Ankündigung angetreten, er sei Bundestrainer geworden, um in der Nations League möglichst weit nach vorn zu kommen?

Und was heißt denn wohl: „beginnt die Suche nach den Fußballern“. Klopp hat den Kollegen von der Sportpresse von Anfang an deutlich gesagt, sein Schwerpunkt liege zunächst auf der Suche nach dem Potenzial, nach vergrabenen Schätzen und Rohdiamanten im wenig gesichteten Nachwuchsfeld des deutschen Fußballs; wie wohl kein Bundestrainer vor ihm war er in den letzten Wochen in Stadien und auf Trainingsplätzen nicht nur der oberen Liga vor Ort, er sichtete, er lernte kennen – ein visionäres Trüffelschwein mit Basecap auf dem harten Schädel.
Sein Blick geht in die Zukunft, sagt er. Mit kurzfristigen Erfolgen gewinnt man vielleicht – wenn es die Qualität überhaupt noch hergibt – ein Viertelfinale, Ende der Fahnenstange. Aber die Fahnenstange ist, was die Zukunftsgestaltung angeht, in Deutschland 2026 ohnehin längst erreicht, im Fußball vielleicht noch nicht ganz.
Bleibt der erste Satz:
„Seinen Fußball hat Klopp schnell bei der deutschen Nationalmannschaft eingeführt.”
Wo wollen sie das jetzt beobachtet haben? Und wer hat so etwas im Vorfeld oder danach je irgendwo von Klopps werdender Mannschaft behauptet? Es sollten Redakteure sein, die über Klopp schreiben, also Menschen, welche die Welt nicht vor-, sondern beschreiben und zwar so, dass jedes seine Schlüsse daraus ziehen kann. Aber hier sind Leute am Werk, die unbedenklich ohne jeden Beleg jeden Quatsch in die Welt setzen, nur um aus ihm weiteren Quatsch zu folgern.
Weder in Dortmund noch in Liverpool hat Jürgen Klopp „seinen Fußball schnell eingeführt“. Das liegt daran, dass man Fußball nicht einführen kann. Er will entwickelt und erarbeitet werden, sobald man die Qualität beisammen hat, die in der Lage ist, Klopp-Fußball zu spielen.
Anstatt sich über das überraschend aus dem Hut gezauberte, wie spontan entstandene Mittelfeld–Trio Wirtz-Bischof-Pavlovic zu freuen – basteln und zischeln sie an der Legende vom ungerechterweise ausgebooteten „Platzhirsch“ Joshua Kimmich. Ihm hat der sichere Dauerauftrag eines seit Jahren gesetzt auflaufenden Spielführers bei den Bayern und in der Nationalelf nicht unbedingt nur gut getan. In der vergeigten letzten WM wurden ihm von einigen Gegenspielern deutlich Grenzen aufgezeigt.
Klopp wird auf Kimmichs Qualitäten nicht verzichten. Er demonstriert am Beispiel Kimmich nur, wie sich aus tatsächlicher Chancengleichheit interessante neue Konstellationen ergeben können.
Die am Schluss aufgestellte Behauptung, bei Klopps Suche nach passenden Spielern seien
„Kompromisse (…) nicht zu erwarten.”
klingt nach eingeschnappt. Der Politikbetrieb in Berlin liebt den Kompromiss über alles. Kompromissfähigkeit ist eine Hauptvoraussetzung für bürgerliche Polit-Karrieren. In der liberalen Form der Demokratie ist der Kompromiss der beliebteste Dreh, wichtigste Anliegen des politischen Gegners bis in die Unkenntlichkeit abzubiegen. Aber geht es ans Eingemachte, zum Beispiel aktuell um den Krieg gegen Russland, den sie als letzte Chance von Ablekung von der großen inneren All in-Krise unbedingt wollen und darum reichweitenstark schüren – gibt es für Wesen wie Merz, Pistorius, von der Leyen und die anderen Stahlhelm-Demokraten keine Spur mehr von Kompromiss. Wenn es um die Freiheit (der Blackrocks, Elon Musks, Vonovias etcetera) geht, ist Schluss mit Kompromiss und Demokratie.
Es sieht aus, als habe Klopp das Spiel durchschaut. Ob etwas richtig oder falsch ist, erkennt man nicht über Kompromisse. Man probiert es aus und wenn nötig korrigiert man es. Wir sind gespannt auf die nur noch 23 Namen des Kaders, der es im November weitertreiben wird mit dem Klopp-Fußball.
4. Oktober
Klopp for Bundeskanzler!

Kopfbedeckung macht den Mann, sie macht die Frau. Die Pickelhaube – das war Bismarck. Bei Rosa Luxemburg, einer weiteren, auf Befehl von ganz oben ermordeten Größe deutscher Politik, bedeckte eine markante Frisur den Schädel. Folgte statt Frisur oder Helm der Kopf selbst: eine Birne aus Rheinland-Pfalz. Dann mit Helmuth Schmidt die Prinz Heinrich-Mütze. Und schließlich 2026 die transatlantische Tarnkappe, die bis hinab zum amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten Volksnähe demonstrieren soll. Friedrich Merz versucht es erst gar nicht. Er weiß, er bliebe auch mit Basecap ein designbebrillter Halbglatzkopf.
Nun aber Jürgen Klopp. Anno 1967 im Nordbadischen geboren, wuchs er in einer nie gekannt glücklichen Phase deutscher Geschichte heran. Anders als Merz, der in seiner ganzen Durchschnittlichkeit von obskuren Milliardärsclans nach oben geschoben wurde, lernte Klopp sein Handwerk von der Pike auf. Die Pike war der 1. FSV Mainz 05. Dort stieg er in den 1990er Jahren beharrlich vom Tore schießenden Sturmtank, Mittelfeldspieler und schließlich vom ultimativen rechten Verteidiger zum Trainer auf. Da war er, nebenbei studiert, schon Diplomsportlehrer. Er führte seinen Verein in die erste Bundesliga. Bevor er zum BVB wechselte, holte er sich noch kurz die fehlende A-Lizenz als Trainer. Danach, das weiß man nun schon alles, machte er mit diversen Meisterschaften, Liga-Pokalen und mehreren Finalteilnahmen, zweimal auch mit Siegen in der Champions Leage erst die Bevölkerung von Dortmund, dann von Liverpool komplett glücklich.

Und heute Abend werden wir die vierte Phase der Metamorphose einer echten Klopp-Mannschaft erleben (wenn die Meute ihn nicht unterwegs wegcancelt). Letzten Freitag hat er uns gegen Serbien schon mal ein bisschen erlöst. Bombastisches Gegenpressing. Zwei Tore zum Einrahmen fürs Museum der schönsten Fußballerinnerungen. Da steigt eine ungeahnte Mittelfeld–Konstellation herauf: Alexandar Pavlovic, Florian Wirtz, Tom Bischof. Jede Menge spontan wirkender Mittelfeld-Ideen fürs Eindringen in die Box. Vorbei das ewige Gelöffel aus dem Halbfeld oder von den Flügeln in den Sechzehnmeterraum. Dort fanden sich allerdings noch nicht die Goalgetter, die sie verwerten. Also machte das neue Mittelfeld-Trio die zwei Buden des Abends selbst. Beim ersten Mal eingeleitet vom unnachahmlichen Flo—Zirkus im Strafraumgedränge mit zunächst einem Aluminium-Abpraller, den Bischof – zum Entzücken und zur Erleichterung der Nation – siegfriedhaft frisch unter die Latte nagelte. Beim zweiten Treffer ein genialer Pass von Pavlovic auf den in der Box bereiten Wirtz, der den Ball mit schlangenhaften Gelenken annahm und – Gegenspieler wie Torwart narrend – den Ball locker in den freigezauberten Raum und die Maschen schickte. Er wurde von den Reportern gefragt, was der Bundestrainer ihm denn nach dem Spiel so überaus zärtlich ins Ohr geflüstert habe? Der wie ein als Fußballer verkleideter Mönch wirkende Ballzauberer in seiner zurückhaltenden, lieb ernsthaften Art:
„Er will, dass ich so spiele, wie man das von mir erwartet”.
Nun also zum zweiten Mal gegen die Griechen. Gegen sie haben die Niederlande mit Ach und Krach einen Zweitore-Vorsprung aufgeholt; die Griechen sind – so der Bundestrainer wiederholt in Richtung spezielle Medien – in der aktuellen Verfassung kein Underdog; sie sind, wenigstens bis vor dem Griechenlandspiel, Tabellenführer in der deutschen Nations League-Gruppe.
„Wenn man ehrlich ist”, so der unmerzlich aufrichtige Fußballempathiker Klopp vor dem Spiel in Saloniki, „ hätten alle in diesem Kader verdient gehabt zu spielen”. Was kümmert es die Medien? Sie wollen Schlagzeilen, Druck, Leistung. Schluss mit dem albernen Casting, mit den Experimenten, irgendwann reicht’s. Was zählt, sind Ergebnisse. Und da wird’s nun aber bald Zeit. Sankt Nimmerlein war gestern.
Müssen diese Leute nun auch diesen Bundestrainer wieder in irgendeine Kontroverse verstricken und ihm Dauerdruck machen? „Ende der Casting-Show”, titelt sportschau.de im Ton einer Forderung und lässt eine von Klopp wohl schon hundertmal verwendete Trainer-Banalität folgen, als wäre sie ein Kurswechsel: „Klopp will gewinnen.”
„Der Auftakt in München war verheißungsvoll. Morgen kommt der Realitätscheck.” schlagzeilte der Boulevard am Tag vor dem zweiten Griechenlandspiel. Jürgen Klopp und sein Team checken eine andere „Realität”. Sie besteht in einer Nationalelf, die aus den Trümmern der Vergangenheit erst mühselig, fantasievoll, geduldig erarbeitet werden muss. Gut Ding hat gut Weile, sagt der Volksbund. Das will den Medienmonstern nicht in den Kopf. Eine Realität, die nicht aus dem Hut gezaubert werden kann, taugt nichts für sie. Für den Boulevard steht ein Bundestrainer in der Pflicht. Er soll Lieferant sein für eine passende, gut verkäufliche Presserealität; und das war’s dann auch schon.
Klopp schlägt sich mehr als wacker. Er wagt das Schwierigste: er will diese Blase und ihre Lautsprecher langsam an etwas heranführen. Sie sollen akzeptieren, dass an Realitäten, die wirklich welche sind, gearbeitet werden muss, wenn sie nicht vergipsen sollen. Und – dass für etwas wirklich Neues vieles Alte dran glauben muss, sonst es nicht neu.. Unter dem machen es Revolutionen, wenn sie wirklich welche sind, nun mal nicht.
1. Oktober
Nicht in der besten Situation aller Zeiten (Forts.)
Falls es irgendjemand nicht wusste: es ging ihm von Anfang an nicht vorab um einen gute Platzierung in der Nations League. Das wäre in der nicht besten Situation aller Zeiten als Vorgabe vermessen gewesen. Er nutzt den europäischen Nationen-Wettbewerb zu einer Art Massencasting (sportschau.de) zwecks Sichtung des Potentials, das ist Jürgen Klopps Weg.
Was allerdings die elf Besserverdiener im schwarz-weißen Trikot am 27. September gegen Griechenland auf den Rasen brachten, machte zornig. Nicht auf den Trainer, auf die Spieler. Die Abwehr – abgesehen von drei Patzern (deren einer dann auch zum Tor des Abends führte) – agierte vielversprechend, der Neuling Yan Aurel Bisseck, seit zwei Jahren Stammspieler bei Inter Mailand, hat nicht nur eine imposante Figur, er machte auch eine gute an diesem Abend, eine Wette auf die Zukunft der Abwehr?
Aber der Angriff. Das Beste, was von ihm zu sagen wäre: er fand nicht statt. Bis auf Kimmichs blitzgescheiten Steilpass aus der Abwehr heraus auf Adeyemi, und dessen Solo, mit dem Ball am Fuß, zwei Griechen durchs Mittelfeld enteilend (26.), rannte er als erster in die Box und allein auf den Torwart zu und – Barca hin, Dortmund her – versemmelte sanéartig. Wäre dieser Coup gelungen, das Spiel hätte einen anderen Verlauf genommen, alle Diskussionen wären anders gelaufen; Klopps Heiligenschein wäre ohne Kratzer geblieben.
Dass er aber schiefging, dieser Coup und keine weiteren Torszenen in der Box folgten, war typisch für die mentale Verfassung der deutschen Offensivabteilung. „Der Trainer hat sein Konzept. Wir versuchen es umzusetzen“, sagte hinterher Jonathan Tah, „wir werden es weiter versuchen“. Was man vielleicht übersieht: Ihnen stecken womöglich auch noch die alten Konzepte in den Knochen, man fühlte sich im Griechenlandspiel, wenn etwas älter, ein wenig an Jupp Derwalls Konzeptschublade erinnert. Denn was sie gegen Griechenland aufboten, war eine Art technisch ausgebuffter, energiegeladener Rumpelfußball – da präsentierte sich ein Torso, eine durch ein Paar als Hoffnungsträger überlastete Statisten in Mittelfeld und Sturm ergänzte nationale Hintermannschaft.
In den kurzen anderthalb Tagen Beisammensein vor dem ersten Spiel konnten sie offenbar nur das Defensivspiel durchnehmen – es ist für Klopp die Basis und der Ausgangspunkt für Dynamik und Tempo seiner Art von Angriffsspiel. Das Offensivverhalten ist offenbar erst nächstes Mal dran, gegen Serbien. Dann wird Jonas Urbig sein Debut im Tor der Nationalelf geben. Mit ihm, soweit sich am Nachmittag vor dem Spiel am 1. Oktober erkennen lässt, Eine so riskante, wie vielversprechende Elf. Auf den Flügeln Lennart Karl und Said el Mala, auf der linken Sechs Alexandar Pavlovic, am linken Flügel wird Florian Wirtz hoffentlich endlich einmal wieder glänzen. Ansonsten werden wir uns überraschen lassen, ob sich endlich ein neuer Spielmacher mit Toni Kroos-Tendenzen herausschält und ein torhungriger junger Wilder auf dem rechten Flügel..

„Wir hatten zu viel Ballbesitz auch in Zonen, wo wir es nicht so sehr brauchen“, resümierte gefühlt hintersinnig Torwart Alexander Nübel das Spiel gegen Griechenland. Für Schade, Mnecha, Conté und wer sonst noch fürs Mittelfeld verantwortlich war, war der Ballbesitz nicht der zündende Funke, er war das lähmende Moment: Tempo raus, quer oder zurück, kaum Bewegung Richtung Gegnertor, von Torhunger keine Spur. Lieber immer schön langsam durchs Mittelfeld, sicher ist sicher. Und bloß keine Verantwortung übernehmen, besser schnell abgeben. Ehe einer was falsch machte, machte er lieber gar nichts. Vom Sofa aus sagt sich das alles leicht, klar, aber die sich da Kritik gefallen lassen müssen, sind hochbezahlte, megatrainierte Vollprofis. Eine Qual, ihnen zuzusehen. Christos Tzolis, offensiver Außenbahn-Spieler der griechischen Mannschaft, traf im Interview lächelnd den Nagel auf den Kopf: „Sie hatten sehr viel Ballbesitz, aber sie wussten nichts mit dem Ball anzufangen.“
Bei den verbleibenden Einheiten in Herzogenaurach wird , wie immer die Startelf aussehen mag, das Lernziel Angriff ganz oben stehen. Hoffen wir, dass alle die Ohren spitzen und höllisch aufpassen und dass sie auf dem Trainigsplatz die Sache mit den Schnittstellen, Laufwegen, Steckpässen, den gechipten oder langen Bällen, hinweg über den tiefen Block so einer humorlosen Viererkette – organisch mit der Arbeit gegen den Ball verbinden. Da wird sich doch irgendwann, wenigstens in Umrissen, nicht bloß ein Rumpf zeigen. Eine ganze, Spaß machende Mannschaft wird sich erkennen lassen und sich zeigen und uns erfreuen – damit wir gleich wieder zuversichtlicher an einen wie Jürgen Klopp glauben mögen.

