Ein Weimarer Mozart.Klenke Quartett und Stephan Katte.

Neben der Menschenstimme und der Flöte steht das Horn am urgeschichtlichen Anfang aller Musikinstrumente. Es dauerte lange, bis es sich im Barock über den Dienstleistungsbereich der Jagd in den der Hofmusik entwickelte und schließlich sogar solistische Prominenz erlangte.

Haydn bedachte es mit mehreren Werken, Beethoven komponierte eine eigene Sonate fürs Horn, er ließ es später die berühmte Arie der Titelfigur seiner einzigen Oper begleiten. Mozart, wenn er nicht für sich selbst komponierte, wählte die Solo-Instrumente seiner Konzerte nach den Virtuosen seines großen Freundeskreises. Zwei Resultate dieser Verfahrensweise präsentiert das Klenke Quartett auf einer neuen Mozart-CD. Das Klarinettenquintett gäbe es nicht ohne Anton Stadler, Erfolgs-Klarinettist im Wien des Fin de Siècle. Und das Hornquintett wäre nicht entstanden ohne Mozarts lustige Beziehung zu Joseph Leitgeb, dem führenden Hornvirtuosen der Wiener Mozartzeit.

Die vier Streicherinnen aus Weimar demonstrieren auf der Neuerscheinung einmal mehr, wie historisch informiertes Musizieren – erst recht natürlich, wenn sie, wie in diesem Fall, derart glücklich gehandhabt werden – auch auf modernen Instrumenten großartig funktioniert. In Nicola Jürgensen im Klarinettenquintett allerdings treffen sie auf eine Partnerin, die ihr Instrument weniger im Sinn einer musikalisch stimmigen Lebendigkeit und Authentizität einsetzt, als mehr im Dienst einer geradezu digital perfekten Technik und Luzidität.

Stephan Katte

So ist das eigentliche Ereignis dieser CD der Weimarer Hornist Stephan Katte. Der spielt das Hornquintett auf einer von ihm selbst gebauten Kopie eines aus der Mozartzeit herüberklingenden ventillosen Horns des älteren Anton Kerner. In Kattes Spiel ist jeder Ton Atem, seine Lippen zwingen die Luft in die Naturtonreihe des Horns; derweil sorgt Kattes Hand im Schalltrichter mit der kurz vor der Mozartzeit erfundenen Stopftechnik für bis in chromatische Nuancen reichende Abstufungen.

Liefert Jürgensen, etwa in den kleinteilig verschlungeneren Partien des Klarinettenquintett, glasklare Muster mozartischer Verzierungen – so steigen aus Kattes Horn wie auf barocken Himmelsbildern in kunstvoll unklarer Schärfe und Gebrochenheit leuchtende Wölkchen einer Melismatik auf, die sich reizvoll dem Geschmack des 19. bis 21. Jahrhundert verweigert.

Mozart: Hornquintett Es K. 407 – Allegro

Der naturhafte Ton des ventillosen Horns passt sich dem Streichersatz klanglich und formal ungezwungen gerade in K. 407 besonders gut an. Die konzertant imitatorischen Dialoge zwischen Horn und Streichern im ersten Satz klingen, als habe ein sich selbst als zweiter Bratschist statt der zweiten Geige (Beate Hartmann) in die Noten hineinkomponiert habender Mozart sich und Freund Leutgeb die Vorlage liefern wollen für augenzwinkernde Dialoge launiger Hausmusik. Im Andante zeigt Katte, dass er auf dem Horn fließend und besonders schön singen kann. Auch knifflige Stellen wie den Sprung über zwei Oktaven (c‘ bis c‘‘‘) in Takt 60 f. meistert er mühelos.

Der Finalsatz erinnert in seiner munteren Aufgeräumtheit an die Schlussrondos der vier Hornkonzerte Mozarts. Auch hier das konzertante Hin und Her zwischen dem Solisten und dem Vierer-Tutti. Kompositorische Mühe bemerkt man in Mozarts Musik allenfalls, als die Partituren des alten Bach ihm spät im Leben begegnen. In den mittleren Wiener Jahren aber, der Zeit des Figaro, der Klavierkonzerte und auch des Hornquintett, lief alles bestens, die Musik klingt wie zum Spaß hingeschrieben. Die Klenkes und Stephan Katte lassen das hören. Just so. Junge Welt, Oktober 2021

Mozart: Hornquintett Es K. 407 – Stephan Katte, Naturhorn / Klenke Quartett (Accentus Music / Naxos)

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