(…) Begleitet von gegenseitigen Angriffen, gehen die Verhandlungen USA-Iran irgendwie immer weiter. Voran kommen allein die Zahlen unschuldiger Opfer. Auf der verzweifelten Suche nach einem gesichtswahrenden Ausweg versucht Trump, den Eindruck aufrechtzuerhalten, er sei noch Herr der Lage. Den Krieg hat er verloren, seine Kriegsziele – ein Regimewechsel im Iran, die Zerstörung der iranischen Fähigkeit, zurückzuschlagen – hat er definitiv verfehlt. Der angeschlagene US-Hegemon hat nicht nur den Krieg verloren (wie in Vietnam, in Irak, in Afghanisten). Er hat diesmal auch keine Chance, irgendwann alles, was nach einem Krieg kommt, zu gewinnen. Denn die Straße von Hormuz bleibt unter iranischer Kontrolle, der Iran ist mit den Durchfahrtsgebühren (nicht mehr in Dollar) in der Lage, auch einen längeren Krieg zu finanzieren. Der mittlere Osten/ferne Westen wird Stück für Stück vom US-Einfluss gesäubert. Wird dann die Region nicht mehr mit US-Waffen geflutet und ist der Einfluss transatlantischer Geheimdienste gebrochen, wird bald auch Schluss sein mit Bürgerkriegen und Regimewechseln. Es wird in Nahost mit den Jahren eine regionale Sicherheitsarchitektur entstehen, ohne die mittelalterlichen Despotien am Golf, ohne mörderisch islamistische Dauer-Interimspräsidenten. Dem zionistischen Israel wird es nicht mehr möglich sein, die Region zu erpressen und das palästinensische Volk auszurotten. Sind das die Tagträume eines nichtwestlich informierten Optimisten? Vielleicht. Einstweilen scheint alles beim Alten. Raketen und Drohnen fliegen in beiden Richtungen. Trump droht, Iran schlägt zurück (nichts von den vernichtenden iranischen Schlägen darf dem Publikum des Westens gezeigt werden). Nur eines ist sicher – so wie es war, wird es nie wieder sein. Das Problem, so lässt sich am nunmehr 18. Juli 2026 sagen, besteht in der politisch-moralischen Haltlosigkeit der im Abstieg befindlichen Weltmacht und ihrer politischen Manager und darin, dass sie über scheint’s unerschöpfliche Reserven an Fähigkeiten verfügen, die Menschheit doch noch irgendwie mit in den Abgrund zu reißen.
