Fritz Bauer aus der Nähe

Die Episode mit der Mutter erzählt er in einem DokFilm von 1961 der Journalistin Renate Lasker-Harpprecht. Bevor sie ihn nach den Vorbereitungen des zwei Jahre später eröffneten Auschwitz-Prozesses fragt, bringt sie ihn dazu, von seiner Kindheit in der Zeit des Kaiserreichs zu erzählen. Ein selten lockerer und lebensfroher Mensch zeigt da kettenrauchend, wie farbig, präzis und voller Witz und Esprit er zu erzählen weiß.

Der Erste Weltkrieg begann am 14. August 1914, Fritz Bauer war elf. Die Familie, seit er denken konnte, war in den Sommerferien im Juli jedes Jahr nach Belgien ans Meer gefahren. Nun platzte in den Juli 1914 hinein das Attentat auf den österreichischen Thronfolger in Sarajewo. Die Welt hielt den Atem an. Nur Vater Ludwig Bauer, Textilfabrikant, war der Meinung, niemandem sei geholfen, wenn Familie Bauer nicht wie gewohnt Juli/August in die Ferien nach Belgien fahre. Drei riesige Koffer mit allem, was man in den Ferien braucht begleiteten sie bis an den Rand des Ärmelkanals. Die Ferien endeten in dem Moment, als der Vater plötzlich hochroten Kopfs hereinkam: Es ist Krieg! Mit dem nächsten Zug zurück ins Reich, die Koffer mussten in der Eile in Belgien bleiben. Aber Vater Bauer war optimistisch: unsere starken Armeen werden, wenn nicht gleich ganz Belgien, so doch wenigstens unsere Koffer zurückerobern. 

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