Spiegel-Ei

Beim Thema Ukraine kam in der letzten Kalenderwoche des vergangenen Jahres Tempo in die politische Kommunikation. Der Aufreger: Trump telefonierte vor seinem Treffen mit Volodymir Selenskyj in Washington ausführlich mit Wladimir Putin. Für den Spiegel erneut Gelegenheit, Flagge zu zeigen

„Der ursprünglich aus 28 Punkten bestehende Entwurf“, holte das Magazin weit aus, „wurde auf Einwände der Europäer und Ukrainer auf 20 Punkte verkürzt. Und es ist auch weiter fraglich, inwieweit Kremlchef Vladimir Putin zu für einen Friedensvertrag nötigen Zugeständnissen bereit ist.“

Wer so schreibt, leidet nicht an Realitätsverlust. Er baut ihn aus. Freilich bei anderen. Die merken meistens gar nicht, wie ihnen im zweiten Spiegel-Satz geschieht. Es sei „weiter“ fraglich, ob Putin „zu Zugeständnissen“ bereit sei (das war er in der Vergangenheit nachweislich oft). So ist das aber nicht gemeint. Der Spiegel ist bestrebt, seinen Leserinnen zu bestätigen, was sie seit langem wissen: Putin will Krieg. Darum ist der Kremlchef, so der Spiegel, zu Zugeständnissen weiterhin nicht bereit. Weil für vernünftige Friedensverhandlungen in einer regelbasierten Welt aber nun einmal Zugeständnisse nötig sind, will einer, der keine Zugeständnisse macht, keinen Frieden. So einfach ist das. Da liegen Spiegel und Bildzeitung längst gleichauf.

Eine Schlusspointe für Nutzerinnen alternativer Medien und für Freundinnen dialektischen Denkens: Ob Putin Zugeständnisse macht oder nicht, hängt alleine davon ab, um was es geht. Die Russische Föderation hat von Anfang ihrer Militärischen Spezialoperation an ihre Ziele genannt: Kein Nato-Beitritt der Ukraine, keine ausländischen Truppen aus vom Westen dominierten Ländern in der Ukraine, sowie die Annexion der russischsprachigen, seit dem Maidan-Putsch 2014 von der ukrainischen Armee angegriffenen Oblaste der Ukraine (davon, die ganze Ukraine zu erobern, haben die Russen nie gesprochen). Über Zugeständnisse lässt Putin weiterhin mit sich reden. Zum Beispiel über Verhandlungen über einen möglichen EU-Beitritt dessen, was von der Ukraine nach einem militärischen Sieg der Russen noch übrig ist.

Eine Bitte am Ende. Wer sich, zurück bis zu Katharina der Großen, in der russischen Geschichte nicht wirklich auskennt, erlaube sich freundlicherweise kein Urteil darüber, ob die Art und Weise, wie die russische Regierung mit der Ukraine umgeht, in Ordnung ist oder „imperialistisch“. Der Freidenker, Januar 2026

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